Werde zum Gärtner

Werde zum Gärtner

„So, jetzt hab ich mir noch schnell ein Käffchen gemacht. Wir können noch ein bisschen über dieses spezielle Thema „“Werde zum Gärtner“ klönen. Aus Brunhildes Lippen hangelte sich ein: Wer sucht, soll so lange suchen, bis er gefunden hat.  Und wenn er findet, wird er erschrocken sein, wird er staunen, und er wird König sein über alles. Na, geh`n wa mal davon aus, dass s i e auch suchen soll und s i e ebenso Königin sein wird über alles.“

Kraft ihres gesprochenen Wortes mit dem Feinstoff eines ausgewählten Jesu-Textes, ging ich sehr respektvoll mit den vor mir liegenden, schmackhaften und geistvollen Keksen um.  „Brunhildchen, ich glaube, ich muss mich erst mal tröstelnd um meine Vollendung kümmern!“,sagte ich. Ein Keks und ein zweiter Keks ploppten lässig in meinen Mund.  Unscharf formuliert: Pleonasmus, zu Deutsch: doppelt gemoppelt. Hält besser! Krümelnd meldete ich eine kluge Erkenntnis an: „Das Quantenmodell führt mich mit seinem sehr speziellen Wirklichkeitsverständnis ein ganzes großes Stück näher an das Verstehen seiner Aussagen. Reiche Worte. Botschaften aus der Innenwelt, die außerhalb von Raum und Zeit liegen. Lange schienen sie mir seltsam“ , meinte ich.

„Ja, neuer Geist, neues Leben. Deutlich der Zeit voraus dieser junge Mann. Ein mitreißendes Buch die Bibel. Jesus ist etwas für Dich! “, sagte sie. Ich sah meine 80-jährige Freundin für eine ganze Weile schweigend an und ließ den Satz in sich ausruhen.

 

herzkaffeemaedchenMit hintergründigem Lächeln ging es geradeaus weiter bei Brunhilde: „Was ich in meinen Garten gepflanzt habe, ist, was ich bin. Darum werde zum Gärtner. Zum Meistergärtner, Martina. Dein Garten sitzt genau dort.“ Sie drückte mit ihrer Fingerspitze direkt auf mein Herz. „Dein Garten sitzt in deinem Herzen. Deine Blumen sind die Muster deiner Interpretationen auf alles, sie sind deine Worte und deine Gedanken.  Sie machen aus Blumen kleine oder große Blumen mit schwachen oder auch starken Wurzeln – je nachdem, welche Gedanken du hegst. Wähle freudige, kräftigende, lebensförderliche Gedanken. Meide Gedanken von Mangel und Einschränkendes. Wenn ihr dem gestattet zu wachsen, was ihr habt, wenn ihr dem helft, sich zu zeigen, zu entfalten, was bereits da ist, …das Senfkorn…wird, was ihr habt, euch retten. Du bist der Gärtner deines Gartens. Wenn du die falschen Pflanzen wässerst, kann dein Baum nicht wachsen. Weder Macht, noch Reichtum, noch unser gesamter Besitz können uns letztlich davor schützen, nicht zu sinken. Nichts davon wird uns retten. Es gehört alles dem Körper, mit dem wir uns so sehr identifizieren. Aber was, wenn der Körper wegfällt?“

Es gab den erleichterten Blick von meiner Seite. Ähm, so denkt man wohl, wenn man 80 Jahre alt ist. Ähm, nun gut, ich bin verantwortlich für meine Gedanken. Natürlich musste ich hinterfragen, wie verlässlich das war, was Brunhilde mir hier erzählte.  Ähm, na gut, selbst ich hatte Ehrfurcht vor dem menschlichen Körper. Was der auch alles aushält.

Mit der ruhigen Präzision eines Pfeilbogenschießers setzte sie fort: „Was immer du suchst, darin suchst du zutiefst dich selbst. Ob Reichtum, Macht oder Erfolg, ob Liebe, Geborgenheit, Sicherheit – hinter all dem steckt die Suche nach dem wirklichen Zuhause, nach einem Seinszustand, in dem wir daheim sind. Bist du innerlich arm, kannst du äußerlich noch so reich sein, dein Wohlstand wird dich vernichten. Warum? Weil Bewusstheit fehlt. Bewusster werden. Noch bewusster werden. Schritt für Schritt. Wie oft irren wir uns und behaupten felsenfest, der andere ist es, der schaut garantiert aus dem falschen Fenster. Dabei sind wir es, die an die falsche Tür klopften! Und warum? Weil wir nicht sehen. Weil wir nicht fühlend sehen. Weil wir beständig mit diesem Orchester egozentrischen, sich selbst allzu wichtig nehmenden Orchestermitgliedern weiterüben, die alle meinen ihre Instrumente müsse alle anderen übertönen und ihren Anweisungen sei Folge zu leisten. “

„Ja, aber wie soll ich bitte…und überhaupt, unser Ego existiert auch aus gutem Grund. Es ist die unüberhörbare Stimme des Überlebensinstinkts. Es ist die Stimme unserer Persönlichkeit und Individualität, unseres Selbst. “

brunhildchenerklaertdiewelt
„Ich stimme dir zu. Aber es macht zumeist zu viel Aufhebens und lenkt dich ab, weil es überall Gefahr sieht. Dein Wahnsinns-Ich hält jede Menge Masken für dich parat. Dein ganzes Leben lang musst du dafür schuften, päppeln, aufrichten, manipulieren. Da ist aber noch  etwas ganz anderes in dir, in mir, in uns. Hegt und pflegt das in euch, was bereits in euch ist.  Hilf ihm zu wachsen. Geh dir aus dem Weg, vergiss dich selbst. Suche die Nähe derer, die schon über dich Hinausgewachsen sind. Sei in ihrer Gegenwart und deine Bewusstheit wird wachsen und wachsen. Sei ein Quell‘ der Liebe und Anteilnahme“, sagte sie.
„Warum soll ich lieben? Äh, darüber können wir reden. Ist ja immerhin kein Zuckerschlecken“ Ich seufzte und kam mir natürlich blöd vor, wenn man so einen speziellen Satz sagt.
„Ich bin entzückt. Wer Angst hat, flieht was?“ antwortete Brunhilde blitzschnell.
Ich mampfte noch einen Keks. „Es war nur eine rein rhetorische Frage a la Frau Kunze“, donnerte ich los und drückte dabei den vierten Keks vor lauter Schreck an mein Kinn. Ein Zen-Meister würde jetzt wohl sagen: Bewahre die Ruhe. Rühr` den kleinsten Finger und schon hast du`s verfehlt.

Hier verschränkte Brunhilde die Arme und machte ein faszinierendes Gesicht. Mit leiser Stimme beantwortete sie meine Frage. „Weil Liebe dich stärkt, weil sie wirkt, weil sie das beste Werkzeug ist, um mit den Erfahrungen des Lebens fertig zu werden, weil sie Mauern aus Misstrauen zum Fallen bringt, weil sie Brücken baut, weil sie deine kleine Blume Selbstwert wachsen lässt, weil sie die schönsten Farben mitten in dein Herz zu malen vermag, weil es die  Liebe ist – und nur die Liebe, Zugang zu anderen Seelen findet, weil sie dein Leben verändert, weil sie Menschenherzen öffnet und weitet, weil sie Augen leuchten lässt, weil sie Anteilnahme und Trost schenkt, Hoffnung und Zuversicht, Demut und Dankbarkeit., weil Liebe Lächeln auf deinen und anderen Lippen zaubert, weil mit Liebe andere Gedanken in dein Herz dringen,  weil Liebe verhindert klein und bitter zu werden,  weil Liebe ermöglicht, frei zu sein, zu teilen und zu geben.  Liebt bringt zum Vorschein. Und es kann nur zum Vorschein kommen, was in uns enthalten ist. Liebe lindert, Liebe heilt. Liebe schenkt Nähe. Liebe trägt. Liebe vergibt. Und, weil wir ohne Liebe scheitern. Wenn wir uns in der Liebe aufhalten, leben wir nicht in der Furcht. Es ist die Liebe, die uns die besseren Wege zeigt. Liebe ist Lebensenergie. In der Liebe vergisst man alles, was trennen könnte.“

Mir fielen sämtliche Krümel aus meinem keksgestopften Mund heraus. „Donnerwetter, was für ein Pamphlet. Ein eindrucksvolles –  für die Liebe! Und wieso werden wir erschrocken sein, wenn wir finden, wonach wir suchen sollen?“ fragte ich weiter.

„Wir suchen, aber wie dir aufgefallen sein wird, wissen wir als Suchende nicht, wonach wir suchen. Du weißt nicht, wohin die Reise geht, warum du unterwegs bist. Lange Zeit weißt du es nicht, dennoch folgst du einem tiefen Drang. Irgendwie tappen wir alle weitgehend im Dunkeln, bis es plötzlich passiert. Es passiert, wenn wir wirklich in die Tiefe gehen. Die Essener nennen diesen erschrockenen Zustand, „die dunkle Nacht der Seele“. Einen Zustand durch den man durch muss.“  Schleifen der Erkenntnis umwickeln mich.
„Und danach?“, frage ich ängstlich.
Brunhildchen lacht. „Danach folgt Licht. Licht. Licht. Danach folgt Mut, Veränderungen vorzunehmen. Danach breitet sich deine Pflanze aus. Danach schneidest du Geäst heraus, dass der Entwicklung deiner Pflanze im Wege steht. Danach folgt dein Seelenweg.“

„Und auch in der Glaubensvorstellung der Mazdaznans (sprich: Masdasnan)  heißt es: Es muss einen tieferen Grund geben, der uns hierher gebracht hat, als den der Illusion. Erkennt ein jeder sich selbst, erkennen wir einander. Brunhilde kennt sich vor allem mit der Gesundheitslehre jener Mazdaznans  aus. Mazdaznans bedeute „Verehrer des Höchstdenkbaren“ erklärte sie mir. Es handele in jener Denkweise um Einflüsse von zoroastrischen, christlichen und einigen hinduistischen/tantrischen Elementen.

„Mädchen (sie meint mich), stell dir vor, wir könnten uns in einem mega-vergrößerten Maßstab sehen. Dann sähen wir uns als ein ausstrahlendes Wesen. Jede Zelle glich einem Bach, all deine Zellen, die sich in Flüssen sammelten und gleich Flüssen in einem Meer ergießen würden, so strahlen wir aus und so verbinden wir uns letztlich als elektromagnetische Strömung mit der Atmosphäre. Darüber wärst du vermutlich erschrocken, wenn du dich so wahrnehmen könntest? Wir träumen im Schlafsaal von der Reise nach Italien. Dabei sollten wir besser morgens aufstehen, als hätten wir gerade den besten Sommer unseres Lebens in Italien verbracht. Uns  in den Seinszustand begeben, darum geht es.“ Sie lacht.

Jetzt bock hier nicht, Martina. Brunhilde klingt weise.  Ich habe schon einiges Neues im Leben gelernt. Ich möchte aber nichts von der Weisheit missen, die ich mir durch Erfahrung angeeignet habe. Ich bleibe dran.

 

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3 Kommentare zu “Werde zum Gärtner

  1. Anonymous sagt:

    Ist das der kleine Prinz?

  2. Anonymous sagt:

    Und warum ist der eine Ärmel des Mädchens kurz und der andere lang? Und können das Mädchen und der Prinz nicht Freunde sein? Sitzt der Fuchs im Flieger? Fragen über Fragen. Ich schick‘ Dir die Stiefel und das Shirt, auch wenn ich sie gern behalten hätte. Muss noch eine Kiste finden. In der Kiste des kleinen Prinzen steckt ein Schaf. Die Kiste ist gemalt, das Schaf ist echt. Es ist ein modernes Märchen und lässt allerlei Interpretationen zu; doch letztendlich ist der kleine Prinz ein Plädoyer für Freundschaft. In diesem Sinne. Let there be hope.

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