Wie Du fühlst, hat Vorrang, vor dem, was Du weißt

karma

„Meine Gefühle sind der Ort, an dem ich l e b e. Mein Herz wusste immer schon, was gut oder wenig gut für mich war.  Verstehst du. Worauf reagierst Du zuerst: auf das, was du weißt, oder auf das, was du fühlst?“, fragte mich Önnemarie. Sie wischte sich die Zahnpasta aus dem Gesicht.
„Königin, was ist los? In welchem Melodram steckst du  heute drin? “ erwiderte ich.
„Es ist ein Krimi“, sagte sie. „Ich wollte dich fragen, ob ich dein Auto leihen kann.“

Ich spürte, wie mich eine gewisse Friedhofsruhe überkam. Act with love, Martina. Sei dankbar. Achte auf dein Verhalten. Check your motive. Ich lächelte, aber es war kein richtiges Lächeln. Das Garagentor… kam mir in den Sinn… „Meine Güte“, murmelte ich leise.  Mit 60 km/h kaum fähig, sich hinter einen LKW einzufädeln, völlig außer sich, wenn sie für eine ältere Dame am Zebrastreifen herunterschalten und stoppen soll, an ihnen mit einem Winken vorbeizischt. Ich schluckte unsicher.

Alles hat seine Zeit, dachte ich. Du kannst  auch nicht an einer grünen Knospe riechen und erwarten, dass sie duftet. Die beste Speise schmeckt ohne Salz fade. Handelst du gegen die Zeit, wirst du entweder scheitern oder sehr viel mehr Kraft aufwenden müssen, als wenn du auf den richtigen Augenblick wartest. Ungeduld ist die Wurzel aller Negativität.  Erfühle deinen Zustand, Martina.

auto

Das Objekt der Begierde. Foto: Kunze

Und dann war es ganz schrecklich, weil ich kein Wort sagte.
Önnemarie besitzt beträchtlichen Scharfsinn. Ihre Augen landeten schnell auf meinem Gesicht. Irgendwo zwischen meinen Augenbrauen blieb sie stecken.  „Komm schon Mädel, nur keine Panik“. Sie musterte mich.
Das musste ein Zeichen für irgendetwas sein. Sie hatte mich noch nie um mein Auto gebeten.

„Oh, ich bin völlig out of, begeistert von deiner Idee, mein Auto zu fahren. Ich schwebe in Glückseligkeit“, sagte ich.

Sie grinste ihr kleines Mädchen – großes Herz-Grinsen.  Das Jaulen eines vorbeifahrenden Krankenwagens zerriss den Moment.

Unter meinem Bett lag eine zerlesene Ausgabe von I Ging, das Buch der Wandlungen. Vielleicht finde ich dort eine noch passendere Antwort. Mein inneres Tao suchen, schnell. Warum bittet sie mich nicht um meine Schlittschuhe, warum ausgerechnet das Auto? Bleib in der Liebe, Martina. Es ist nur ein Auto.  Wenn ich den Samen des Scheiterns in ihre Fähigkeiten des Fahrens in meinem Unbewussten  bereits einpflanze, verschlimmert das ihren Fahrstil  . Letzeres wird dann den Rest erledigen.  Platon war ein weiser Mann. Er hatte auch einen vorzüglichen Lehrer in Sokrates.

Agathon – das letzte Gute, den letzten Grund des Seins, das Prinzip, das alles bestimmt, nennt Platon nicht Gott, sondern Agathon. Den Begriff Gott verwendet er nur für die Ideen, die von diesem Agathon abhängen beziehungsweise begründet werden. Gefährlich, klingt sogleich die Skepsis gegenüber Gott mit.  Hochherzige Fehler, weiß man doch:  ein kleiner Fehler am Anfang macht einen riesigen am Schluß. „Wer den Anfang hat, hat die Hälfte.“ Griechisches Sprichwort.  Überdenke die  Konsequenzen, lass dich nicht gleich hinreissen.
Umgib diesen Gedanken mit reiner Liebe, spüre, welches Glück es ihr bringen wird, wenn du ihr den Wagen leihst. Was ist schon ein Auto? Eben, nicht das Wichtigste. Es verschmutzt die Umwelt, raubt Unzähligen die Gesundheit und das Leben.

Es gibt Situationen, wo Menschlichkeit entscheidend ist.  Vor allem beschließe ich, mich gut zu fühlen, egal, was die Verkehrstatistiken  und ihr zerbeultes Garagentor sagen.  Ich lasse mich davon leiten, wie ich fühle. Und die Wahrheit ist: Ich fühle mich gut, wenn ich Önnemarie mein Auto gebe.  Alles andere löst sich mit einer großen Dosis Liebe auf.

Önnemarie grinste immer noch. So wirkungsvoll wie ein süßer Honigtopf, der Bienen anlockt.
„Ich fahre auch ganz vorsichtig“, sagte sie.
„Ja, klar.“ Ich nickte. Das war das Allerschlimmste. Wenn Önnemarie ganz vorsichtig fährt, drängt es sie immer an die Leitplanken.  „Meine nächste Kolumne :  Die Frau, die eine Autofahrerin sein wollte“, sagte ich.
„Wenn unsere Freundschaft weitergehen soll, musst du an mich glauben! Deine spürbaren Bedenken an meiner Fahrkunst verletzen mich tief“, sagte sie mit kräftiger Stimme, setzte sich gerade hin und strich sie die Haare hinter die Schulter. „Ist das klar?“
Ich nickte.
„Mmmh“, machte sie.
Ich sagte mir: Ich bin ein großzügiger Mensch. Ich verschenke heute Großzügigkeit.  Ich bin, der ich bin. Ich bin Liebe. Ich bin Martina mit einem intakten Auto. So wird es  heute, morgen und in Zukunft sein.  Was nützen mir all diese Gedanken, wenn sie keine Auswirkungen auf mein Leben haben, dachte ich weiter.  Karma besagt, dass alles, was du tust, Konsequenzen hat. Tust du Gutes, sind die Folgen gut. Tust du Schlechtes, sind sie schlecht. Wie du handelst, wirst du leben. Das ist nichts Mysteriöses, Unheimliches, Unklares.  Das Gesetz von Ursache und Wirkung können wir in der gesamten Schöpfung beobachten. Kein Wunder also, dass es auch unser Handeln bestimmt.
NIchtsdestotrotz: Ich bin die Handelnde. Ich schreibe mein Buch. Ich kann deshalb auch alles wieder löschen.

Tue Gutes, denke Gutes, sprich Gutes, sieh Gutes. Sei gut, und alles Negative wird weggewischt.  Auch das aus früheren Leben…hihihi…Gute Taten helfen beim Wegwischen.

„Gut, Önnemarie, ich leihe dir mein Auto“,  sagte ich. In meinen Augen tanzten kleine Lichtfunken.
„Oh, biiitte“, rief sie fröhlich. „Ich meine, es ist möglich, dass du ewig nicht über dein posttraumatisches Stressyndrom hinweg kommst, wenn ich dir ne Beule fahre. Jahrelang. “  Ihre feuchten Augen wanderten zur Mitte des Tischs und hüpften um die Obstschale herum.  Glück schwappte überall hin. Ihre Zähne nagten auf der Unterlippe, und zwischen ihren Augenbrauen waren kleine Falten zu sehen.

„Ich habe hier ein Auto mit drei Fußpedalen. Du hast zwei Füße. Mit dem linken musst du das Kupplungspedal nach unten drücken, während das rechte leicht auf dem Gas steht. Dann musst du langsam – und ich meine langsam – das Kupplungspedal kommen lassen, während du gleichzeitig mit dem Fuß das Gaspedal nach unten drückst…“ Önnemarie unterbrach mich und meinte:
“ Ja, und dann ist da noch die Bremse. Keine Ahnung, wie ich sie benutzen soll, wenn das Auto schlingert, oder damit es nicht rückwärts  auf das Fahrzeug hinter mir rollt? Ich habe ja keinen Fuß mehr übrig, wenn ich mit Gas und Kupplung bereits beschäftigt bin.“

Ich fühlte plötzlich einen sehr beeindruckenden Rat.
„Önnemarie, ich leihe dir mein Auto doch nicht. Und glaube mir, es ist zu Deinem Besten!“

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