Ich & Ich bin Ich

blumen

Meine kluge Freundin saß temporär und undercover im Zentrum der Aufklärung. Spannend. Sie trug einen humorvollskeptischen Blick zwischen all den Zipfelmützen-Männchen mit dunklen-Wesen-Hintergrund. Der Kobold schien ihr der heikelste von allen. „Denk ihn dir als einen Schwindler, als den am tiefsten verletzten Teil deines Egos“, erklärte sie mir. „Dicht gefolgt von der Plaudertausche. Der Harmlosere aus der Zipfelmann-Family, der dich mit einer Menge an überflüssigen Gedanken ablenkt.

9.15 Uhr: Anfangen. Gegen 9 Uhr versammeln sie sich vor der abgeschlossenen Herzenstür und diskutieren, wer sich den Stress macht, den Schlüssel beim Pförtner zu holen.
10.00 Uhr: Tür ist auf. Alle stöhnen. Alle spüren den Herzschlag. Sätze wie: Wo soll ich nur anfangen?  Schon wieder im Stress, du Arme? Die Plaudertasche berichtet von unerwünschten Emotionen und beklagt ihre Vorstellungen von Mangel, die sie  emotional so sehr im Griff hielten. Sie erzählt danach von Reisen und Vorträgen. Der Kobold baut Papiertürmchen.

maedchentischEr scheint wenig am Aufbau eines neuen Ichs interessiert, berichtet Önnemarie. Lieber wirft er Milcheimer um. Schräge Blicke, schadenfrohes Gelächter. Hinterlistig beschützt er unsere verborgenen Schätze, verleitet uns dazu, uns wertlos zu fühlen und verspricht uns dafür Geborgenheit und Liebe. Am Ende landen wir mit ihm immer wieder in denselben Mustern, obwohl wir um deren ungesunde Folgen wissen. Er ist der Ursprung unserer Ängste, unserer Überheblichkeit, unseres Größenwahns, unserer Begierden, unserer Egozentrik, unserer unterdrückten Sehnsüchte, unseres verletzten und verängstigten Egos und deren Folgeerscheinungen wie Zorn, Eifersucht, Abwehr und Habgier. Ein Unruhestifter, der die dunklen Seiten unseres Bewusstsein nur allzu gerne aufsucht und einen mit List überreden will. Am liebsten sitzt er in uns, wo etwas geheimgehalten wird. Er ist der Freund unserer negativen Emotionen. Das kannst du nicht, während die Intuition sagt: Noch kannst du das nicht, sei geduldig. Erwarte den richtigen Moment. Der Kobold kreischt: Du bist nicht gut genug. Die Intuition sagt: Mach langsam. Sieh genau hin. Höre auf deine inneren Verbündeten. Wenn uns Partner ein wenig zu glatt und charmant erscheinen, sagt der Kobold: Du machst dir zu viele Gedanken. Sei froh. Er redet uns ein, stimmt passt nicht zu dir, aber nutze die Gelegenheit, diesen Menschen zu unserem Vorteil zu benutzen. Seine Bedürfnisse macht er gerne zu unseren.
Önnemaries Fazit: Seinen Aussagen ist nicht zu trauen.  Er verbiegt unser Verhalten. Er ist der größte Verkaufsstratege und Schwindler. Kobolde sind Verdrehungskünstler. Er versichert uns, dass wir unseren spirituellen Kompass nicht brauchen und dass die Zeit knapp wird, außerdem kenne er eine Abkürzung.

Die Plaudertasche schwatzt uns ein Ohr ab, erzählt meine kluge Freundin. Das Telefon klingelt. Was steht auf dem Display. Ach, habe ich jetzt ganz vergessen…warte mal, die nächste SMS rollt an, oh, die Pfannkuchen waren gut heute Morgen. Manchmal hat die Plaudertasche auch etwas Brauchbares zu vermelden: Vielleicht müssen wir wirklich noch Eier besorgen und die Spülmaschine anstellen.
Die Plaudertasche sitzt gerne mit uns vor dem Fernseher und lauscht einem Moderator, dem wir schon längst nicht mehr zuhören, der aber in unserem Kopf sitzt und uns davon abhält, auf unsere inneren Weisheiten zu hören.
Önnemaries Fazit ihrer Undercover-Aufklärungs-Aktion: Meditieren. Meditieren.

yoga

11.15 Uhr Önnemarie geht in die Pause. Erholen vom Plappern der Plaudertasche.

11.45 Uhr  Das Telefon bimmelt.
„Ja-aa. Bitte. Sie wollen vertraut werden mit Ihrem Ich? Klar. Dafür sollten Sie das wissen, wie Ihr Ich, wie das Alte und das Neue aussehen. Sie wollen glücklich sein? Dann machen Sie Schluss mit dem Denken, das Sie unglücklich macht, und mit den Gefühlen, den Emotionen von Schmerz, Kummer und Verbitterung. Achten Sie genau auf Ihre Empfindungen. Achten Sie auf Ihren Kobold und Ihre Plaudertasche. Wenn Sie sich ängstlich fühlen, sitzt vermutlich der hinterhältige Kobold in Ihrer Plaudertasche. Du bist doch ein Chaot, wird er ihnen zuflüstern. Du hast wieder nicht getan, was du solltest…bla, bla, bla..kein Wunder, dass dein Leben ein einziger Schlamassel..bla, bla, bla. Oh Käsekuchen…Diesen beiden Stimmen Ihres Egos setzen Sie einfach mal für ein paar Wochen täglich positive Affirmationen entgegen.
Schüchtern Sie Ihren Kobold ordentlich ein. Schaffen Sie Platz für Ihre neue Persönlichkeit, im Denken, im Fühlen, im Tun. Ähm, jawohl. Meditieren ebenso. Meditieren heißt, sich selbst zu erkennen. Ja, genau, indem Sie auf Ihr altegewohntes Ich achten, es bewusst beobachten, trennen Sie sich durch Ihre bewusste Teilnahme von diesen unbewussten Programmen.  Ihr Frontallappen, Ihr Chef also, wird Ihre Fragen und Ihre Überlegungen an den Rest Ihrer Gehirnlandschaft abgeben und dort wird Zauberhaftes geschehen. Ihre Nervensysteme verschalten ihr anderes Denken. Sie planen Neues, hegen andere Gedanken, spekulieren mit neuen Möglichkeiten, träumen von neuen Zuständen? Ganz fantastisch, Ihre Gedanken werden als Erfahrungen abgespeichert. Ja, genau, Sie installieren sozusagen eine neue Software in ihrem Nervensystem.

Sagen Sie, fühlen Sie, handeln Sie danach:
Alles, was ich brauche, kommt leicht und mühelos zu mir.
Mein Leben wird jeden Tag in jeder Hinsicht besser.
Was mein ist, wird nicht an mir vorübergehen.
Ich werde immer haben, was ich brauche, was auch immer geschehen mag.
Ich verspüre nur Lust auf Nahrung, die gut für mich ist.
Mein inneres Licht bewirkt jetzt Wunderbares in meinem Leben.

Und es kommt noch etwas hinzu. Wenn Sie sich so stark auf einen Gedanken konzentrieren, dass er buchstäblich zu einer Erfahrung wird, entsteht als Endprodukt eine Emotion. Ein neues Gefühl. Machen Sie sich damit vertraut. Genau, auch Ihr Körper wird es Ihnen danken, denn auch er reagiert noch bevor das Ereignis auf der physischen Ebene tatsächlich stattgefunden hat. Werfen Sie unsere lineare Zeitvorstellung über Bord. Sie werden der Zeit voraus sein – SEINSZUSTAND.
Woher ich das weiß? Was glauben Sie, wen Sie vor sich haben? Na, so lautet das Quantengesetz. Wenn es ihnen gelingt, diese veränderte mentale und körperliche Verfassung unabhängig von äußeren Gegebenheiten, den emotionalen Bedürfnissen und jenseits der Zeit aufrechtzuerhalten, sollte sich in Ihrem Leben etwas Neues manifestieren. Was sagen Sie da? Sie sind unzufrieden?

Oh. Da muss ich Sie bitten, prägen Sie sich einfach ein, wer Sie nicht mehr sein wollen. Kennen Sie Ihr altes Ich mit all seinen Gedanken, den Emotionen und Verhaltensweisen und besinnen Sie sich immer wieder darauf, wer Sie sein wollen. Konditionieren Sie sich darauf. Gerne. Auf Wiederhören.
Jeder Menge Augen verdrehen von Kobold. Önnemarie ist ein bisschen stolz. Ihr erster Anruf. Der zuständige Sachbearbeiter war außer Haus.

12.15 Uhr Kobold und Plaudertasche gehen in die Pause.
12.30 Uhr Ich gehe in die Pause.
13.30 Uhr Rundgang durch die Abteilung Frontallappen. Begutachten. Händeschütteln. Individualitätsnagel in die Pinnwand gekloppt. Einen neuen Geist wie einen Garten anlegen. Tägliche achtsame Zuwendung ist immerhin erfolgsentscheidend.
14.25 Uhr  Fünf Minuten vor Feierabend zurück im Büro. Seufzen. Ein harter Tag.

Am Anfang aller Weisheit ist die Verwunderung. (Aristoteles)

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