Was gesagt werden muss (Teil2)

Was gesagt werden muss (Teil2)

„Jeder Mensch ist in unserem Leben entweder ein Test, eine Herausforderung oder ein Geschenk. Du bist alles zusammen“,erkläre ich.  Das saß.
Ich sollte auf etwas hinweisen. Vor mir stand ein riesiges Stück Erdbeertorte. Der Schaum meines Cafè Latte klebte an meiner Oberlippe. Meinem Nokia war bereits die Energie ausgegangen. Wir saßen seit viereinhalb Stunden im Kaffeehaus.
„Das ist  soooo was von sexy“, meinte Önnemarie. Ihr Grinsen verschwand und wich  einem finsteren Stirnrunzeln. Sie warf  ihre rotblonden Haare über die Schulter. Offensichtlich hatte ich einen empfindlichen Nerv getroffen. Ehrlich gesagt, so anstrengend wie sie auch manchmal ist, und manchmal fehlt ihrem Haar kinetische Energie, aber wenn sie mir mit ihrem Shirley Temple Lächeln ins Gesicht blickt, möchte ich keine andere kluge Freundin an meiner Seite wissen.  Andere sind langweilig wie eine Salzstange. Sie nicht. Sie ist witzig, mit einem lieben Lächeln ausgestattet, ihre Geisteblitze inspirieren mich,  sie deutet nur allzu gerne E=mc² in E=mc³+² um und weckt mich jeden Samstag mit dem großen Diagramm einer Plasmakugel, ich noch mit  dem Geradebiegen meiner Arme aus der Schlafstellung heraus beschäftigt , sagt sie mir  mit einem Achselzucken: Gut. Dann soll es eben nicht sein. Wenn man mit jemandem nicht richtig reden kann, wie soll man dann.., dazu ist sie noch beschenkt  mit einer auffallenden Neigung, alle elektrischen Geräte kaputtzumachen. Ich find sie nett. Ja, echt nett.
Sie schenkte mir gerade kein Lächeln.
„Darum geht es doch überhaupt nicht!“, protestierte sie.
„So, worum geht es denn dann?“, fragte ich.
„Oh man“, seufzte sie. „Es geht ums das Leben.“
„Ja, klar ich bin ein Wirbel aus intergalaktischem Staub, ein Hauch dunkler Materie und unsere Begegnung ist garantiert kein Zufall. Ich brauche eigentlich gar kein Erinnerungsvermögen. Ich habe dich in meinem Leben.“
„Jesus. Du hast es endlich verstanden! Schiebe niemandem die Schuld in die Schuhe. Ich bin nicht zufällig in deinem Leben. Wir bekommen, was wir uns wünschen. Es mag ein wenig dauern, aber es kommt in dein Leben.  Morgen, nächste Woche, nächsten Monat, vielleicht erst nächstes Jahr oder erst im nächsten Leben. Dies ist eins von den gefährlichen Gesetzen.   Du wünschst dir Wissen? Dein Kopf wird zu einer großen Bibliothek werden. Nichts als Wörter und Wörter und Wörter, aber nichts Handfestes. Und dann leidest du. Du wünschst dir Unabhängigkeit. „Selig die Unabhängigen und Erwählten sagte Jesus.  Du wirst vermutlich ein Erdbeben auslösen. Oh, die Gesellschaft wird sich an deine Fersen heften. Sie gestattet niemandem, unabhängig zu werden. Du wirst ihnen ein ungutes Gefühl geben, wenn du zu einem Unabhängigen wirst, weil deine bloße Anwesenheit sie an ihrer Existenz zweifeln lässt.“ Nur weil deine Wünsche in Erfüllung gehen, wartet nicht per se das einfache und glückliche Leben auf dich.“

„Ich stehe also in einer Schlange von Wünschern?“ Die Frage blieb in der Luft hängen.  Ich schluckte krampfhaft eine Erdbeere hinunter.

„Alles, was wir begreifen müssen für dieses Leben wurde uns mitgegeben. Es ist da. Auch wenn wir es nicht sehen können. Alles, was wir je brauchen werden, tragen wir in unserem Inneren. Wir müssen uns nur darum kümmern, ständig, nicht nur sporadisch. “

„Ich soll mich um etwas kümmern, das ich weder sehe noch hören noch berühren kann? Und überhaupt, wenn alles eine Illusion ist. Kannst du mir sagen, wie ich in diesem falschen Theater und mit diesen falschen Gesichtern Erfolg haben soll?“ Ich klappet den Mund auf, doch plötzlich war weg, was ich noch sagen wollte. Mein Magen knotete sich zusammen.
Irgendwann wird einem sogar das Seltsame vertraut. „Wir müssen uns ja nicht für das eine oder das andere entscheiden, nicht wahr?“, fragte ich.

„ Du kannst es nicht greifen. Du kannst es nicht hören, nicht fühlen, nicht sehen. Es kommt vom Herzen her.  Werde kein Opfer der Logik, des Intellekts, noch werde Sklave deiner Gefühle. Geh darüber hinaus. Sei einfach. Und um deine Frage zu beantworten, wie du in der Welt der Illusion Erfolg haben sollst. Zunächst, es gibt keinen der Erfolg hat. Selbst die Großen scheiterten und scheitern noch immer. Napoleon scheiterte. Alexander der Große scheiterte.  Banker, die vorgaben vom Bankgeschäft etwas zu verstehen, liessen uns Banken in schlimmsten Zuständen zurück.  Sei einfach nur. Wenn dein Sein stimmt, dann wird alles, was du tust, automatisch stimmen. Wenn du nicht im Zentrum bist, nicht authentisch bist, dann kannst du tun, was du willst, es wird falsch sein. Es ist nicht entscheidend, was du tust, sondern wer du bist. Wenn du dich für eines entscheidest, schließt du zugleich alles andere aus. Wir müssen durch unsere Empfindsamkeit und Empfänglichkeit, selbst für die kleinsten Hinweise, aufmerksam sein. Achtsam sein und zulassen, was immer vor unseren Augen verwandelt wird. Bewegung und Ruhe. Du verstehst?
„Nein.“
„Bring Bewegung und Ruhe zusammen. Es gibt  dann keine Widersprüche mehr in dir.  Wir sind in der Menge, gehören ihr aber nicht an. Wir gehen, aber in unserer Mitte ist keine Bewegung. Mitten in der Welt und ihr dennoch entsagend. Wir haben keine Wünsche und arbeiten dennoch weiter. Ohne jedes Motiv atmen und leben wir dennoch. Bewegung im Dienste anderer. Es gibt keine Garantie, dass das Leben so weitergeht, wie du es gekannt hast. Aber du kannst dir sicher sein, was auch immer durch deine Sinne zu dir kommt, ist ein vertraulichen Zeichen für dich, ein Geschenk, dass dich aufwecken soll und zugleich ein Memento: Eine Erinnerung an die Arbeit, die du zu tun hast.

Alles, was die Quantenphysik und ihre Philosophie in den letzten hundert Jahren wissenschaftlich untermauert, das, worüber sogar große Magazine mittlerweilen berichten mögen, war bereits 500 Jahre vor Christi Geburt Bestandteil der Lehren von Philosophen wie Parmenides oder Empledokes  und anderen Gelehrten jener Zeiten. Es ist Wissen, dass immer schon existierte. Es ist uraltes Wissen.  Innen wie Außen. Unten wie oben. Alles ist in dir. Nichts existiert unabhängig von dir.  Ja, irgendwann musst auch du im 21. Jahrhundert ankommen“, meinte Önnemarie grinsend.
„Spielst du gerade Proteus? Was bedeutet, alles ist in mir?“, fragte ich.
Sie lachte. „Es ist der Senfkorn,  der auf gepflügte Erde fällt…Erinnere dich an deinen Religionsunterricht.  Wir tragen dasselbe Saatkorn in uns. Das gesamte Universum ist in dir.  Und um dich gänzlich um deinen Verstand zu bringen, nicht wir sind in die Welt geboren. Die Welt ist in uns geboren worden.“ Worüber sich meine kluge Freundin köstlich amüsierte.

Buddhisten

Thailand. Quelle:CBS

„Ich glaube, ich könnte Buddhistin werden“, unterbrach ich sie.

„Ach,  der verlorene Sohn, die verlorene Tochter mit Facebook-Profil?…..Wie dem auch sei…die Realität liegt jenseits unserer Existenz. Erkennen können wir nur aus unserer innersten Daseinsquelle.  Es gibt keinen anderen Weg. Alles andere sind Täuschungsmanöver. Techniken der Selbstverteidigung, Panzer, rings um dich. Aber auf welchen Punkt läuft dieses Leben hinaus? Was erreichen wir dadurch? Nichts wirklich Gutes.

Mit all jenen Erkenntnissen erhalten die Worte Jesu eine ganze andere Substanz für mich“, sagte sie.  Jesu gehörte zur Schule der Essener. Die Quantenphilosophie sagt: Der Geist schafft Materie. Nun, Jesu sagte nichts anderes:  Wenn das Fleisch um des Geistes willen ins Dasein gekommen ist, so ist es ein Wunder aller Wunder… Das Bewusstsein ist die Quelle, die Welt ein Nebenprodukt.
Geht hin und heilt Menschen –  Geht hin, und gebt ihnen ihr Zentrum. Wir sind  so sehr in Gedanken und in der Welt verstrickt, wir sollten im Sein wurzeln. Denkt an das, was aus euch herausgeht, kümmert euch nicht so viel darum, was hineingeht. Wie transformieren wir Beleidigungen? Kommt Liebe oder Hass?  Worauf es ankommt, ist, nie zu vergessen, dass du es in dir verwandeln musst. Wenn du nur ständig darüber grübelst, was hineingeht, entwickelst du nie Seinspotential.  Nur Lügen tun geheimnisvoll. Die Wahrheit ist immer wie eine offene Hand, sie ist niemals wie eine Faust. Und er sagt: Wirf alle Orientierungen fort, wirf alles, was außen ist, fort, und komm zum innersten Kern, wo nur du bist, wo nur das Sein pulsiert. Wenn an der Tür ziehen steht, darfst du allerdings nicht immer drücken. Und was nicht entstanden ist im Herzen des Menschen, das werde ich euch geben. Es gibt keine Zufallsbegegnungen. Es gibt – und wenn ich es nicht selbst erfahren hätte, würde ich es hier nicht benennen – es gibt andere Wirklichkeiten hinter dieser Welt der Illusion.“ Önnemarie hatte ihren Zweifel, ob sie darüber reden konnte. Ich weiß ja nicht, wie es bei dir ist, aber ich…ähm also,  es gibt da Licht, es gibt da so ne Art Meister, die im Geiste an Menschen weiterarbeiten.“

„Was? “ Ich machte Augen wie Papierschlitze.

„Na, Geistheiler eben“, sagte Önnemarie mit einer Geste für Verlassdichaufmich.  „Man könnte sie auch Wegweiser nennen. Schamaninnen beispielsweise.  Es gibt ja auch Kristalle. In fast allen Kulturen sind Kristalle seit Jahrhunderten dazu verwendet worden, Krankheiten zu heilen. Jedes Kristall hat seine eigene Schwingungsfrequenz. Es liegt nicht nur eine höhere Ebene der Wirklichkeit, jenseits all dieser Realitäten liegen viele höhere Ebenen der Wirklichkeit mit noch höheren Schwingungsfrequenzen. Und jede Daseinsebene gehorcht ihren eigenen Gesetzen und Prinzipien. Nicht zu vergessen, die Kristallschädel. Alle  indigenen Völker Lateinamerikas sind davon überzeugt, sie tragen kosmische Geheimnisse, Ideen und bedeutsame Mysterien aus längst vergangenen Zeiten in sich“, sagte sie.

Ich zeigte keine Reaktion. Die Spannung hielt noch eine ganze Weile an. Etwa eine gefühlte Stunde. „Ich möcht jetzt einfach nur die Augen schließen. Nicht mehr denken. Ich fühle mich zerknittert. Ich verkrafte  heute kein einziges scheinbar harmloses Wort mehr.“

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