In der Tat

In der Tat„Ich habe Hunger!“
„Ich höre dir zu, Önnemarie“
„Ich habe ja so einen Hunger!“
“ Es liegt eine bedeutende Wahrheit in dem, was du sagst“, erwidere  ich.
„In der Tat.“

„Weißt Du,  was In der Tat bedeutet? Indeed in Englisch. Es ist ein wunderbares Wort, in dem Macht liegt. Es bedeutet in Bewegung, in Aktion. In Macht. In der Tat, in alter Liebe. Ich begrüße dich in Aktion“, sage ich.

„In der Tat. In der Tat. In der Tat erschaffen wir in jedem Augenblick unseres. Ich richte mein Augenmerk auf Jetzt. Und darum bin ich mir  meiner Gefühle bewusst. Dieses innere Wissen sagt mir: Ich habe Hunger!“, sagt sie.

„Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wem wir ausgeliefert wären, wenn es auf dem Markt keine Nahrungsmittel mehr gäbe? Wir leben in dem Irrglauben, wir seien frei. Nur, wie frei sind wir denn? Und welche Art von Freiheit geniessen wir ? Denke darüber nach“, sage ich.

“ Ja, später. Jetzt habe ich Hunger. Ähm, naja….es lohnt sich, genau hinzuschauen. In der Tat. Von wegen Wassermannzeitalter? Von wegen New Age? Bah. Humbug. Wir sind noch nicht wirklich in eine neue Richtung fortgeschritten! Versteinert im kollektiven Denken. Nicht mal in der Lage, in Harmonie zu leben. Wir führen Krieg, wann immer wir unsere Wahrheit gegen irgend jemanden  ins Gefecht bringen und ihm erklären, dass er unrecht hat, und wir recht haben“, sagt meine kluge Freundin. Ihr Bauch grummelt lautstark.

„Warum gibt es Vulkane? Sind sie bloß ein Rätsel der Natur.? Nein. Sie sind Dampfventile. Sie verschaffen dem Dampf und dem Druck, der sich in der Erdkruste gebildet hat, einen Ausgang. Wenn der Druck abgelassen werden muss, sprengen sie ihre Köpfe. Die Erde nimmt die Dinge in die Hand.“

„In der Tat. Vorgang Leben in Aktion. Und das macht Mutter Erde, ohne uns zu fragen. Die vielen unterirdischen Atomversuche sind Implosionen. Darum fragte die Erde auch niemand. Die Folge, wir stehen auf ziemlich wackeligem Boden. Schockwellen haben die Festigkeit der Erdkruste an jenen Versuchsstellen zersplittert“, sagt sie.

„Uns wird gesagt, wir sind Erschaffende. Schöpfer. Das Universum sitzt in jeder unserer kleinsten Zelle.  Wir bekommen mitgeteilt, wir seien Gott. Und was machen wir? Wir sagen: Tolle Sache. Wir wird das meine Arbeit verändern? Mein Gehalt erhöhen? Wird das meine Partnerbeziehung verändernt? So ist das“, sage ich.

„Das Wahre eines Wesens ist das, durch das es erhellt wird. Durch jenes Licht wird alles gesehen, erkannt und verstanden“, erwidert sie mit hoffnungsvollem Unterton.

„Jeder der nur allzu gerne tratscht und über andere urteilt, sollte jene Be-urteil-te, zwei Tage bei sich aufnehmen müssen. Einfach zurückschicken. Jeden einzelnen. Gott in ihm oder ihr entdecken, weil jener Urteiler ihn braucht, weil wir das brauchen. Ihn im Innern berühren, denn wir können in uns nur das sehen, was wir im anderen sehen. Alle, die wir kritisieren, sind nur unsere Spiegelbilder. Vermutlich die einzige Methode, wie wir wahrhaftig erfahren werden, dass wir demütig und sanft sind, ist, diese Tugenden im anderen gesehen zu haben. Verstehst du?“

„Ja.  Könnte man so sagen. Es war einmal vor langer Zeit  in einer weit, weit entfernten Galaxis…und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie … Ich habe  Hunger“, sagt Önnemarie mit gequälter Miene.

„Liebe? Wir schreiten über unsere eigenen Grenzpfeiler doch nicht hinaus.  Dramen aufgrund eines persönlichen Konzepts der Überzeugungen. Spiegel mal jede Facette deines Selbst dem Partner wider. Lass ihn sich selbst erkennen in dir. Süss und bitter – und schon ist er weg. Ich will aber nur süss-Klänge werden laut.  Immer auf der Suche nach Einfachheit hinter der Kompliziertheit. Sanftmütig zu sein bedeutet, zu erkennen, dass man nicht tief genug geblickt hat und dann demütig genug sein, um den anderen zu umarmen. Das Brot der Armen essen heisst, jemanden, dem man den Laufpass gegeben hat, wieder an seinen gebührenden Platz zu stellen, nur um zu entdecken, dass man in einem groben Irrtum war. Demütig sein, heisst, sich bei sich selbst zu entschuldigen, dafür, dass man sich selbst beurteilt hat. Demütig sein, heisst, sich einen Augenblick Zeit nehmen, um anderen zuzuhören und sie so sein zu lassen, egal, wie sehr ihre Art uns gegen den Strich geht. Das heisst demütig sein“

„Demütig genug sein, um sich selbst zu vergeben! Das vergessen wir gerne.  Klingt gut. Sehr gut.  Vergebung nimmt Schuld,  Niedergeschlagenheit, Zorn. Ha, ich bekomme gerade einen Schimmer von dem, was wir sein könnten. “

„Bist du nachdenklich?“

„Ja. Und ich bin  schrecklich hungrig!“

„Ja. Gut, gut, gut, du liebes Du-bist-es-wert-geliebt-zu-werden-Wesen.“  Ich lache. „Die Augen. Die Nase. die Lippen, das Haar – sie sind wunderbar, aber sie sind irreführend. Der Mensch zeichnet sich in jedem Augenblick. Durch sein Verhalten, seine Mimik und Gestik, die süßen Worte und das süße Lächeln. Durch unsere Programmwelt: Gedanken, Worte und Taten, den Möglichkeiten, unsere Prägung und Wahrnehmung, durch unser Ober- und Unterbewusstsein. Man erkennt den  Duckmäuser, den Herrschsüchtigen, den Wichtigtuer und den Demut Heuchelnden, den Schwärmer, den Weltfremden. Jedes Fältchen lässt sich deuten.  Der Ausdruck des gesamten Körpers liefert unzählige Informationen. In der Tat.  Der eine wirkt stark, der andere eher labil. Einer hat einen kurzen Atemrhythmus , der andere einen ausgewogenen.  Wir benutzen Worte, um Schuld zuzusprechen, um zu zerstören. Oft unbedacht.  Nicht nur, aber sehr häufig.  Das Wort – das mächtigste Geschenk, das uns gegeben wurde.  Wir benutzen es gegen uns selbst. Wir in unseren kleinen Schachteln. Ordentlich, sauber, makellos, geschrubbt, keine Gerüche.
Wann immer wir eine Meinung hören und sie glauben, treffen wir eine Vereinbarung mit uns selbst, die dann Teil unseres Glaubenssystems wird. Das kleine Mädchen wuchs heran, und obwohl sie eine wunderschöne Stimme hatte, sang sie  nie wieder…“

Die ausdruckslose Miene meiner klugen Freundin reißt mich aus meinen Überlegungen. „Hast du Hunger?“

„Nun ja, wenn du mich so direkt fragst…“

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