Warum können wir uns so schlecht ändern?

Warum können wir uns so schlecht ändern?

Alles eine Frage der Haltung

Es gibt im Hirn diese Schichten. Eine untere Schicht, auf der wir etwas lernen, ist das Sachwissen. Wird im Cortex so angelegt.  Gewohnheiten übernehmen ist auch lernen. Dann weiß man was. Dann kann man was. Darüber liegt aber noch`ne Schicht.  Die nennt meine kluge Freundin immer  „Metakompetenzen“.  Auch wenn ich gelernt habe, wie das Lesen geht, heißt das noch lange nicht, dass ich Texte verstehe. Das wäre die Metakompetenz.“ Metakompetenz hast du, Martina, wenn du weißt, wie du das Wissen einsetzt“, rief sie  mir zu, dabei ihr geistreicher Kopf inmitten einer gelben Mülltonne  feststeckend. Sie gab mir mit Gesten zu verstehen, ich solle mit meinem Mango-Sorbet-Eisbecher in der Hand nur gut zuhören. “ Hörst du mich?“ Es brüllte aus der Mülltonne heraus: „Diese Metakompetenzen kann man inzwischen messen.“
Wir sind nicht mehr im Cortex. Der wird in der Schule gefüllt. Wir befinden uns im Bereich der präfontalen Funktionen.  Jetzt sind wir  in den Bereichen, die für das Leben wichtig sind und die man an den Schulen nicht lernt, weil das nur durch Erfahrung geht. Problemlösung, Empathiefähigkeit, die Fähigkeit, vorausschauend zu denken und die Folgen des Handelns abzuschätzen, Frustrationen auszuhalten, Impulse, die immer mal wieder hochkommen zu lenken – all das sind Metakompetenzen.  Über dem Sachwissen haben wir die Metakompetenzen, die man benutzt, um das Sachwissen zu benutzen. Über den Metakompetenzen liegt noch ne`Schicht.  Und jetzt fängt es an, interessant zu werden, weil wir immer näher in den Bereich kommen, um zu verstehen, warum wir uns so schlecht ändern.  Das sind die Haltungen.  Die Metakompetenzen entstehen durch Erfahrungen. Wenn ich immer wieder ähnliche Erfahrungen machen, dann verdichten sich diese Erfahrungen in der präfontalen Rinde in Form von Netzwerken. „Ich bestehe  nur aus  einem einzigen Schmerzkörper. Schmerzen als Kind erlitten, Trennungsschmerz, Groll, Wut, Schuldgefühle, Selbstmitleid, Missmut, Gereiztheit, Ungeduld, schlechte Laune.  Jedes emotionale  Hochgefühl birgt schon im Keim den Schmerz in mir, einem Kind vergleichbar, das unaufhörlich quengelt. Heimtückisch, zerstörungswütiges Monster,dann noch dieser grundsätzliche Hang zum Urteilen und zum Widerstand, gegen das, was ist.   Alles immer nur  eine Frage der Lebenssituation, die der eigenen Energiefrequenz des Schmerzkörpers entspricht und schon geht es los.  Schmerz lebt von Schmerz.   Er lebt von meiner unbewussten Angst, mich dem Schmerz zu stellen. Wahrscheinlich ist mein gesamtes Hirn ein einziges Schmerz-Netzwerk“, rief sie mir aus der Tonne zu.  Ich bemerkte, wie es in ihren Sätzen vor Sarkasmus triefte, vor allem in dem letzten Satz, was mir vorher gar nicht aufgefallen war.  Inzwischen bog sich auch schon ihr gesamter  Körper hoch elastisch entsprechend des Innenhohlraums dieser gelben Mülltonne. „Du da in der  runden Ecke.Warum quetscht du dich eigentlich in diese Tonne hinein? I am an earth-friendly-Plastikbeutel, biologisch abbaubarl? From Froschkönig zur Kaulquappe?“, fragte ich verwundert.  Sie spitzte als Antwort nur ihre Lippen.  Meine kluge Freundin besitzt  unberechenbare Eigenschaften müssen Sie wissen.  Ich will ehrlich sein. Ein paar ganz Schlaue nennen sie Robespierre der Badewanne, libertè, ègalitè, fraternitè.   “ Netzwerke, Schleimschaften – das ist alles längst aus der Mode“, teilte ich ihr mit  und lächelte so fröhlich, wie ich nur konnte. Sie lag  ziemlich gezwängt in ihrer gelben Tonne, eingehüllt in östliche Gewürze und Eau de Irgendwasfranzösisches,  wirkte sie  wie eins dieser vernachlässigten Schlüsselkinder.

Die Netzwerke werden zu etwas , was wir Haltungen nennen, auch innere Einstellungen.  Und diese Einstellungen und Haltungen –  es sind nicht die Verhaltensweisen, die man ändern müsste, damit man von einem Ressourcennutzer zu einem Potentialentfalter wird  – sondern die Haltungen. Wir haben unendlich viel Erfahrung in dieser Gesellschaft der Ressourcennutzung gesammelt, wie man Verhalten ändert. Aus neurobiologischer Sicht ist das, was wir an Erfahrung gesammelt haben, nichts weiter als Dressurwissen. Wir wissen genau, wie wir andere Menschen motivieren ( in Wirklichkeit kann man niemand motivieren), aber man weiß, wie man Verhalten ändern kann.  Belohnung und Bestrafung sind die Lieblingsverfahren, die wir da einsetzen.  In Regierungskreisen nennt man das Eselstreibermodell.  Eseltreiber hängen vorne immer die Möhren auf, oder suchen sich geschickte Peitschenhiebe, die heute noch erlaubt sind,  um dann den Esel irgendwohin zu treiben. Beneiden wir besser solche Führungskräfte nicht, die so arbeiten. Denen ist es auch häufig nicht so klar, die einzigen, die  sich dabei verausgaben, sie selbst sind. Der Esel macht ständig Erfolgserlebnisse, der lernt, wie er diese Möhre noch schneller schnappt, ohne vom Fleck zu gehen. Er lernt, sein Hinterteil zur Seite zu drehen und die Führungskraft muss immer mehr einsetzen.  Ressourcennutzungskultur: „Wenn du deinen Esel treibst, musst du seinen Furz ertragen.“

Was macht man darum:  Nicht am Verhalten arbeiten, sondern an den Haltungen. Den anderen in eine bestimmte Haltung bringen – geht  mit den bisher erwähnten Verfahren nicht.   Auch geht es nicht mit Belehrungen. Diese Haltungen haben nämlich eine ganz wunderbare Eigenschaft, wie alles, was durch Erfahrungen verankert ist. Sie verkoppeln emotionale und kognitive Netzwerke miteinander. Eine Haltung ist nicht nur etwas Kognitives, sondern auch etwas Emotionales. Es sind  Ketten, derer man sich nicht entreisst, ohne sein Herz zu zerreissen, so hängt man daran, … an diesen Vorstellungen, die eigentlich gar keine Vorstellungen sind, sondern Haltungen.  Maßnahmenkatalog können wir vergessen. Auch die liebevolle Umarmung hilft nichts, sobald der Kollege nicht mehr geküsst wird, ist er wieder in der alten Haltung.

Der einzige Weg: Signalstoff aussenden

Ein Signalstoff aussenden,  der die anderen einlädt. Wie die Pantoffeltierchen. Es müsste ein Signalstoff sein, der uns an unseren Sehnsüchten erwischt, nicht an unserem Verhalten.  Eine Kultur schaffen, der andere Menschen einlädt, ermutigt, inspiriert, ihre Potentiale noch einmal entfalten zu wollen.  Ressourcennutzung müssen Sie antreiben, Potentialentwicklungen müssen Sie einladen. Diesen Übergang schaffen nicht sehr viele in den Führungskräfteetagen.
Die Haltungen sind maßgebend dafür, worauf man achtet, was man richtig findet, wo man sich engagiert und was man alles nicht sieht, nicht sehen will und deshalb auch nicht mitbekommt. Diese inneren  Haltungen bestimmen auf der Baustelle Gehirn darüber, wie und wofür einer sein Hirn benutzt. Die inneren Haltungen strukturieren unser Gehirn.

Das Heil der Welt liegt nicht in neuen Methoden, sondern in einer anderen Gesinnung. (Albert Schweitzer)

Es ist nicht mehr das Verhalten, nicht mehr das Vorbild, es ist nicht mehr der Lerneffekt, sondern es ist die im Laufe des Lebens, aufgrund von Erfahrungen, gewonnene innere Überzeugung.  Was wichtig ist im Leben, was bedeutsam ist.

Der Geist, der von einer Gemeinschaft entwickelt wird und der darüber entscheidet, welche Erfahrungen die Menschen in diesem gemeinschaftlichen Tun  machen können und deshalb auch entscheidet, welche Haltungen sie entwickeln. Es gib einen  Familiengeist, einen Klassengeist in der Schule, andere werden von einem Geist getragen und offenbar beflügelt. Es gibt den Potentialentfaltungsgeist in Unternehmen,  der dem  Zweck der Einrichtung dient. Um den müsste man sich kümmern.  Der Verwaltungsgeist beherrscht das System, der hat noch einen hinterhergezogen, das ist der Klagegeist.  Der Verwaltungsgeist schafft jetzt die Erfahrungsräume, in dem die Menschen ihre Erfahrungen machen und deshalb entwickeln die Menschen unter diesem Geist auch diese Haltung, die zu dem Geist passt.  Und damit ist alles falsch. Der Geist ist falsch, die Haltungen sind falsch.  Da kann dann der große Mr. Präsident kommen und sagen: Ich schenke Euch einen neuen Geist. Er kann die Menschen vielleicht aufwecken, aber er wird die Haltung von Menschen nicht ändern.  Deshalb muss man schauen, wie man Dinge verändert.  Nicht einfach, in dem man einen neuen Geist verkündet, sondern indem man Menschen Gelegenheit gibt,  wunderbare Erfahrungen nochmal zu machen, wie es ist, von einem bisher benutzten Wesen der Ressourcennutzungsgesellschaft zu einem aktiv gestaltenden und die Welt entdeckenden Wesen werden darf.  Das wäre die große Aufgabe für die große Potentialentfaltungskultur.

Wir denken, es sei ein wirtschaftliches Dilemma. Das Banken-Dilemma war eine Haltung. Die Haltung war Gier.  Die Haltung von Gier ist gewachsen unter einem Geist der hieß Profit oder Neoliberalismus. Banken haben irgendwie vergessen, dass sie  Motoren für wirtschaftliche Potentialentfaltung sein sollten. Potentialentfaltung muss wieder in den Mittelpunkt gerückt werden. Die schönsten Methoden nützen nichts, wenn wir nicht die richtige Haltung dazu haben.  Jede Verbiegung ist nicht der richtige Geist. Dann gäbe es auch nicht die Abspaltung zwischen Fühlen und Denken, zwischen Körper und Geist. Dann brauchen wir auch nichts zu verdrängen, nicht so viele Ersatzlösungen haben.

Zugehörigkeitsgefühl versus Kompromiss
Wenn man es erkannt hat, dann kann man sich auch vorübergehend entschließen, unter die Ressourcennutzer zu gehen. Aber man muss wissen, warum man es tut, dass man es nicht ewig tun will und dass man nach Wegen suchen muss, um in die Potentialentfaltung zu kommen. Dann hat man das System reflektiert, ist man nicht Teil des Systems, sondern Entwickler des Systems, der die Gesetzmäßigkeiten des Systems reflektiert.

In diesem Sinne.

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