Ihr wisst zu viel

Ihr wisst zu viel

Zwei Wissenschaftler reisten um die halbe Welt, um einen weisen Hindu zu fragen, was er von ihren Theorien hielt. Als sie ankamen, bat sie der Weise freundlich in seinen Garten und bot ihnen Tee an. Er goss Tee in zwei kleine Schalen und goss immer weiter, obwohl sie voll waren. Der Tee floss über, bis einer der Wissenschaftler freundlich verlegen meinte: „Eure Heiligkeit, in die Schalen passt nichts mehr hinein.“ Der Weise hörte auf zu gießen und sagte: „Euer Verstand ist wie diese Schalen. Ihr wisst zu viel. Leert euren Verstand und kommt zurück. Dann können wir reden. (Leroy Little Bear)

Vorosterzeit ist ausnahmslos eine besondere Zeit für mich. Seit ich 20 Jahre alt bin, bittet mich mein Pappkamerad in der Vorosterzeit zu unserer berühmten Spaghetti mit Fleischsoße-Mahlzeit.  Es kommt alles vor in unserer Freundschaft. Die böse Königin, der stümperhafte König, die reizende Prinzessin, der verzauberte Frosch.  Schwerter und Dolche wurden gezückt. Der riesenhaft wütende Dämon, der jede Menge Drohungen äußerte und mit jedem wütenden Gedanken um ein Zentimeter wuchs. „Es reicht. Ich gehe.“ Der König, der weise war und genau wusste, was zu tun war. „Willkommen“, sprach er voller Herzlichkeit. „Willkommen in meinem Palast. Hat dir schon jemand etwas zu trinken angeboten?“ Diese wenigen freundliche Worte ließen den wütenden Dämon schrumpfen. Jede weitere Freundlichkeit ließ den Dämon weiter schrumpfen. Eine Fußmassage. Einen Pfefferminztee. Einen Pizza-Service.

Mein Pappkamerad trifft den Nagel immer auf den Kopf. Er ist klar und strukturiert. Er ist bescheiden bei hinlänglich meteorologischen Ansprüchen: Erstfrühlingszeit und Regenzeit. „Im Frühling soll es schön sein. Frühling! Schneeglöckchenblüte, Stachelbeerknospen“, sagt er häufig in der Frostzeit und beißt dabei zumeist in ein Stück Schokoriegel. Er ist eher an der Sache orientiert, statt sich auf Menschen zu verlassen. Er ist zu sehr damit beschäftigt, sich mit der Welt zu messen, um die Bedeutung Langeweile  wirklich zu kennen. Die Lernkurve kann gar nicht steil genug für ihn sein. Es rumpelt und pumpelt in seinem Leben: Ferngesteuerte Ferraris, Lakritzschnecken, Flummis, Feenkleider, Zeichenstifte und kiloweise Bücher stapeln sich auf seinem Schreibtisch. Wir saßen neulich wie zwei zerzauste Vögel im Park. „Ich fühle mich wie in einem Aquarium, in dem zu viele Fische sind. Meine Gedanken haben keinen Raum mehr. Ein Stunde ungeplantes Leben. Und dann Tee trinken. Ich wünschte, ich …“, stöhnte er.  „Probiere es mal mit Stille. Stille bohrt Löcher in dein nutzloses Wissen“,stöhnte ich zurück. „Energie folgt Aufmerksamkeit. Übrigens gleichen sich wissenschaftlichen Experimenten zufolge die Gehirnwellen-Frequenzen von Personen, die gedanklich miteinander verbunden sind und damit ein gemeinsames Energiefeld erzeugen, automatisch einander an.“
„Auch ne Tasse Tee?“,fragte er und strahlte mich dabei mit seinen Nussknackerzähnen an.

Denke in Wünschen.

Was steckt hinter der geheimnisvollen Anziehungskraft dessen, was unser Herz berührt?
Es ist der Magnetismus unserer Begabungen. Sich zu etwas hingezogen fühlen, ist der erste Schritt. Dadurch kommt man auf die richtige Spur. Die Natur hat sich etwas dabei gedacht, dass wir davon angezogen werden und es sich gut anfühlt, wen wir uns an dem ‚Ort‘ unserer Begabung aufhalten. Die Frage ist nicht nur, was ist unsere Begabung, sondern wohin führt uns unsere Begabung, wenn wir ihr folgen? Alles, was wir richtig gerne tun, ist ein Hinweis auf ein Talent. Was tue ich gerne? Warum tue ich es gerne? Keine zwei Menschen tun etwas aus demselben Grund gerne. Dieser persönliche Grund ist der Schlüssel zu unserer Einzigartigkeit, zu unseren ganz speziellen Sichtweisen, zu unseren Begabungen.

Haben sie ein Auge für Farben, eine besondere Aufgeschlossenheit für fremde Kulturen, ein Faible für Science Fiction, ein Faible zu Hunden? Warum finden wir den Gedanken an eine bestimmte Tätigkeit reizvoll? Womit habe ich mich in der Kindheit, in der Jugendzeit und als Erwachsener besonders gerne beschäftigt? Mich verstecken und Erwachsenen beim Gespräch zuhören, eine Katze streicheln, Reisen, Geologische Texte,  Reisemagazin,Tanzen, ins Kino gehen, mit dem Fahrrad fahren, im Garten sein, singen beim Geschirrspülen? Was gefiel mir am besten daran? Erfahren, was  Erwachsene denken, das Dramatische daran. War es das Gefühl von Freiheit, das wegkommen, das draußen sein, das Bedürfnis nach Unabhängigkeit, eine fantastische Sängerin zu sein, ich kann Ordnung ins Chaos bringen, ich mag das sinnvolle Ganze in Informationen zerlegen, ich erkenne schnell den tiefen Kern eines Sachverhalts?

“ Nun, dieses Hutschi-putschi-Schmusespiel mit einer Katze  oder  Radfahren wird ja wohl kaum zu einem ernstzunehmenden Beruf führen, geschweige denn ein ganzes Leben ausfüllen, mit dem ich meinen Lebensunterhalt verdienen kann“, sagte mein Pappkamerad kopfschüttelnd. Doch er irrt gewaltig!
„Wirklich nicht? Mit Fahrrädern werde gute Geschäfte gemacht.  Menschen fahren auf Rädern, sie schreiben über Räder, sie entwerfen Räder, sie  bauen Räder und verkaufen Räder. Wenn man genauer darüber nachdenkt, gibt es nicht eine Aktivität, die man nicht zu einem Beruf machen kann.  Es gibt sogar den Beruf Spinnendompteur. Ja- Spinnendompteur! Jemand wird dafür bezahlt, dass er Spinnen abrichtet. Wetten, dass es jemand ist, der schon als Kind Spinnen sehr gerne hatte. Höre gut zu. Nicht ohne Grund haben wir Vorlieben. Wir müssen nur herausfinden, worin die Bedeutung dessen lag, dass du als Kind gerne mit dem Fahrad durch die Gegend gefahren bist und ich für Stunden auf einem Hochsitz am Rand des Waldes in die Weite träumte und mir Geschichten ausdachte als Königin der Lüfte.“

„Also, wenn du mich schon so fragst, ich träume davon mit Helene Fischer zu tanzen.“
Ich fragte ihn, was sein Problem sei.

Erschaffe dich neu! Verabschiede dich von Glaubensmustern.

Warum tun wir etwas Bestimmtes gerne? Die Frage ist nicht immer einfach zu beantworten. Aber dieser Gedanke führt genau zu dem, was wir, Sie,Ihr und ich,  gerne tun würden.  Immer wenn ich jetzt Ideen habe, die  mich meinem Ziel näher bringen, auch nachts kommen, schreibe ich sie sofort auf meinen Notizzettel, sogar morgens in der Früh, halb im Schlaf. Mein Wissen wird immer detaillierter oder wie  Pierre Teilhard de Chardin, Philosoph und Theologe, es sagte: Mit immer perfekteren Augen eine Welt erkunden, in der es immer mehr zu sehen gibt.

Gedankenspiele im Bereich des scheinbar Unmöglichen.
Die Generalprobe – Übung macht den Meister

Meine sagenhafte Karriere.  Radfahren. Meine Fantasie treibt mich bis zum Äußersten. Radrennfahrerin. Nein, das ist doch nicht meine Sache. Ich mag den Druck nicht. Mit dem Fahrrad quer durch die Welt, monatelang, Räder testen gegen Geld. Interviews geben in manchen Städten. Ich reise durch die Welt und berichte von meinen Erlebnissen und Erfahrungen, schreibe für Reisemagazine, die mich dafür bezahlen. Mein Name in Reisemagazinen. Berühmt sein. Fünf Jahre später erforsche ich die Bergwelt. Radfahren war schön, aber ich brauche noch mehr Freiheit. Afrika. Die Presse verfolgt interessiert meinen Weg und noch immer sende ich Reiseberichte an Zeitschriften. Geologische Institute beauftragen mich, Landkarten zu zeichnen und ich habe herausgefunden, dass ich das sehr gerne tue.

Bedeutet Ihnen Anerkennung in ihrem Betätigungsfeld viel? Was macht Sie glücklich?

Alles an Ihnen ist wichtig. Schreiben Sie alles auf!  Wenn es um Ihre Lebensträume geht, müssen Sie auf alle Botschaften achten.  Dann wird die Königin, von der Sie als Kind geträumt haben zur Hauptdarstellerin auf dem Weg in IHR LEBEN.

Aus dem Verstecken und Erwachsenen zuhören, kann eine Psychologin erblühen, die fünf Jahre später Kriminalgeschichten und Drehbücher schreibt.

Vielleicht finden Sie heraus, dass Sie Ihren Beruf lieben? Vielleicht finden Sie heraus, dass Sie zwar eine Weltreise auf einem Segelschiff machen wollen, aber nicht ihr ganz Leben auf diesem Schiff verbringen wollen?

Was fällt Ihnen zu Ihrem Leben in zehn Jahren ein?

Für alle Dinge, die uns glücklich machen, haben wir, Sie und ich,  ein Talent.  Ohne Ausnahme! Für das, was wir von Herzen gern tun. Es ist schon viel Talent vergeudet worden, weil die Menschen das nicht zur Kenntnis nehmen.

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Und nun folgt der Realitätsschock.
Die sinnliche Dimension kommt ins Spiel. Ist das wirklich so wichtig? Und ob!

Botanik aufgeschrieben? Dann pflücken Sie noch diese Woche einen Löwenzahn.
Cello spielen? Dann setzen Sie sich direkt neben ein Sinfonie-Orchester.
Fahrrad aufgeschrieben? Lange nicht mehr gefahren. Umso besser.
Ein Bild malen. Schnappen Sie sich einen Bleistift und zeichnen Sie los.
Gedichte schreiben, frisches Holz riechen, Pferde reiten, Klavierspielen,

Empfindungen und Gefühle werden lebendig. Jede noch so kleine Sache in die Tat umsetzen, anstatt nur darüber nachzudenken. Erfreuen Sie sich an kleinen Erfahrungen.  Sie kommen direkt aus dem Herzen und sind deshalb so bedeutsam. Kinder wissen das.

„Kommt Unbehagen auf?“, fragte ich meinen Pappkameraden unvermittelt.
„Naja, es gibt da so eine unsichtbare Kraft, die mich daran hindert, meinen Vorsätzen treu zu bleiben. Mmmh. Immer wenn ich etwas für mich erreichen will, fehlt mir die Energie. Mmmh. Da ist  ein innerer Widerstand. Mmmh. So ein Happy Sleepy“. Er seufzte.  Mein Pappkamerad verband seine Sätze immer gern mit einem tiefen Mmmh.
„Naja, als Abkömmling eines Steinzeitmenschens wirst du auch von allem abgehalten, was dem Leben gefährlich werden könnte – also von allem, was schwierig und unvorhersehbar scheint. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist dein Widerstand Bestandteil deiner Erbmasse. Und glaube nicht, dass du deinem einen Gen erzählen könntest, dass die Steinzeit  längst vorbei ist. Und glaube bloß nicht, dass dieser innere Widerstand etwas mit Schwäche zu tun hat!“ (An dieser Stelle musste ich ihm Mut zusprechen.)
„Dein innerer Widerstand ist ein primitiver Sicherheitsmechanismus“. Hier verschränkte mein Pappkamerad die Arme und machte ein faszinierendes Gesicht.

Trägheitstraumzustände
„Ich habe zu wenig Zeit. Ich bin wahrscheinlich zu faul. Ich will es nicht stark genug. Langeweile stellt sich plötzlich ein. Ich habe wichtigere Dinge zu tun.  Welcher Widerstandstyp bist du?“, fragte ich. “ Ich laufe seit zwei Wochen vor der Gestaltung einer Werbebroschüre davon. Schaue sie nicht an, beschäftige mich stundenlang mit anderem.  Kein Grund zur Sorge. Der innere Widerstand ist ein klares Zeichen für ein hohes Selbstwertgefühl. Er macht deutlich, dass du  und ich vorhaben, tatsächlich zu überleben. Überlisten wir ihn. Machen wir ihn zuerst glauben, er hätte gewonnen. Wenn er sich dann ausruht, holen wir aus. Unserer innerer Herausforder wird ausgeklappt. Der ist so stark wie der Widerstand. Dann bewegen wir uns auf die kleinste zumutbare Aktionseinheit und tun sie“, erklärte ich meinem Pappkamerad hingebungsvoll. „Du weißt doch, wovon ich rede, oder?“ Die Hände im Schoß gefaltet, neigte ich den Kopf und schickte den machtvollen Blick der Allwissenheit durch den Raum, einen Blick, der an, wie heißt er doch gleich der Bildhauer, Rodin,  einen Blick der an Rodins Skulptur DerDenker erinnerte.
„Mmmh.“
„Schreibe jeden Tag einen Text. Wenn das nicht geht, versuche, jeden Tag einen Text zu verbessern, den du bereits verfasst hast. Spiele das kürzeste Klavierstück aller Zeiten. Eine halbe Minute.“
„Mmmh.“

to be continued.

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