Zurück aus der Atempause – Renaissance der Sinne

Auf-nieder. Auf-nieder. So ist es richtig. Recken. Strecken vor dem weit geöffneten Fenster. Halbsieben Uhr morgens. „Tue alles so, als ob Epikur es sehen könnte“, sagt mir meine kluge Freundin während ihre Fingerspitzen den Boden berühren. „Was habe ich denn mit deinem Ex-Freund zu tun?“, antworte ich verschlafen aus dem Bett. Auf-nieder. Auf. Sie biegt ihren Körper mit einer elastisch seitlichen Bewegung zu mir: „Epikur, mein Ex-Freund? Ah so!“ (Erwischt) Auf-nieder. Auf-nieder. Recken. Strecken. „Epikur ist eines der wichtigsten Ratgeber in Sachen Lebenskunst.“ Arme in die Höhe. „Ein Philosoph aus ganz alter Zeit, der am meisten den Wert der Freundschaft schätzte. Auf die schwierige Frage, was unter einem sinnerfüllten Leben zu verstehen ist, hatte er eine verblüffend einfache Antwort: Angstfreiheit und ein Leben, an dessen Ende Freuden die Unannehmlichkeiten überwogen haben“, stöhnte es mit gestrecktem Körper in den Raum.

Ein halbwegs sensibler Mensch bemerkt, wann der andere zum Beispiel schlecht geschlafen hat. Meine kluge Freundin legt stattdessen gerade Wert auf eine persönliche Krise. Was für eine Frage sie mir heute Morgen um Halbsieben Uhr stellte? „Habe ich dich aufgeweckt?“ Das war aber noch nicht die wirklich schwer zu ertragende Frage. Die folgte erst anschließend: “Ich habe eine sehr wichtige Frage, Martina: Bin ich attraktiv?“ Selbstverständlich hätte ich, als ein Mensch, der sich auszudrücken weiß, sehr leicht aus dieser Klemme herauskommen können. Ich hätte sagen können, dass kein Mensch irgendetwas „ist“. Niemand ist richtig, falsch, attraktiv oder unattraktiv. Mir war aber klar, dass sie mit der Bemerkung nicht zufrieden gewesen wäre. Und so meinte ich: „Manchmal ja. Manchmal nein. Kann ich jetzt weiterschlafen?“ „Bitte, sag es mir, es ist mir ernst. Denk darüber nach“, antwortete sie. „Ja.“ „Bitte, überlege dir deine Antwort gut: bin ich wirklich attraktiv?“ Ein Moment Ruhe. „Ja.“ „Warum hast du dann gezögert?“
Die harte Herrlichkeit trifft mich. Wo die Welt zu Ende geht, beginnen ihre Geschichten. „The thing not named“, nennt meine kluge Freundin das. Man kann es mit Sätzen umreißen, aber benennen lässt es sich nicht. In aller Scheinschlichtheit frage ich: „Was würde Epikur dazu sagen?“  „Er würde mir sagen, man müsse schon sehr weise und erfahren sein, um entscheiden zu können, was auf Dauer glücklich macht“, antwortete sie, während sich ihre Finger auf dem Boden bedenklich biegen.

„Mach dir nicht so viele Sorgen um deine Attraktivität, kluge Frau“, meine ich, „ziehe man uns auf die Höhe des Eifelturmes und nähme uns das existierende Nichts, das Vakuum in uns, hätten wir die Größe eines Flohs von drei Millimetern.  Wir bestehen zu 99,9999999 Prozent aus masseleerem Raum, die Physik spricht von Vakuum, nehmen wir diese Leere heraus, müsste man uns mit dem Mikroskop suchen. Dass wir uns trotzdem mit der Faust nicht durchhauen können, haben wir allein dem Umstand zu verdanken, dass die Bindungen der Moleküle mit einer enormen Kraft ausgestattet sind.“
Ich suche nach einer liebevollen Botschaft. Ich riskiere es. Unausgeschlafen fällt mir diese ein: „Wir leben in der sichtbaren Welt, das ist die Welt der elektromagnetischen Schwingungen. Wir sehen uns überhaupt nur, weil Licht auf uns fällt und in Folge Teile vom Licht in unserer Kleidung, in unserem Gesicht absorbiert werden. Meine und deine Augen werden von elektromagnetischen Wellen angeregt. Hast du dich schon einmal gefragt, wie groß die sichtbare Welt von uns überhaupt ist? Gerade mal fünf Prozent macht sie aus! Die übrigen 95 Prozent folgen nicht den Gesetzen, die wir Naturgesetze nennen. Dann gibt es noch Materie, die sehen wir überhaupt nicht. Und dann gibt es noch den großen, großen Bereich der dunklen Energie. Nichts davon bekommen wir mit.
In was für einer Illusion hängen wir hier eigentlich fest? Und wozu dann überhaupt diese deine Selbstschau?“

Meine kluge Freundin schreitet in flinken Schritten zum Bücherschrank, zieht Epikur aus dem oberen Regal, und schlägt Seite 22 auf. „Ihm ging es in seiner Philosophie darum, die Menschen vor unsinnigen Ängsten und Fragestellungen zu bewahren!“  „In Ordnung. Ich bin froh, dass du diesen Teil hinzufügst.“ „Wieso bist DU froh?“ Ich sah mich zu Boden gehen und fühlte mich angezählt. „Warum kannst du nicht einfach der nette Mensch sein, der du mal warst und mit dem ich ganz problemlos eine gute Zeit verbringen konnte?“, merke ich an. „Du würdest also gerne einen leichten und unbeschwerten Morgen verbringen, dass wir uns einfach amüsierten?“ „Ja. Und wieso schießt du dich in aller Totalität dann auf das ein, was wir sehen oder messen können? Vielleicht bist du ja super attraktiv, und wir können es nur nicht wirklich sehen, weil unsere sichtbare Welt uns nur fünf Prozent Einblick gewährt. Was macht es da für einen Sinn, dass ich dir sage, liebe kluge Freundin, du bist attraktiv?“
Laut dem Quantengott Wheeler können mit dem Vakuum einer Glühbirne alle Meere der Welt zum Kochen gebracht werden. Das Vakuum meiner klugen Freundin macht bestimmt gerade sieben Glühbirnen aus. Ich denke über die geopolitischen Konsequenzen eines möglichen emotionalen Ausbruches nach. Epikur. Epikur, was hast du noch so Schlaues von dir gegeben? Ich brauche schnelle Hilfe. Denk Martina. Denk nach. Ich brummel leise vor mich hin: Magst du auch aus dem Meer schöpfen, du bekommst doch nur so viel, wie dein Krug fassen kann. Nein, das ist eine indische Weisheit, das ist nicht Epikur.
„Willst du mich etwa in eine depressive Phase hinabziehen?“, zischte es aus ihr heraus.

„Nein, tue das nicht. Werde dir klar über deine Worte und deine Aussagen. Alles was denkbar ist, ist auch möglich. Deine Bilder schaffen deine Realitäten. Die Grenzen deiner Sprache bedeuten die Grenze deiner Welt.  Es gibt im Meer der Möglichkeiten des Universums unendliche viele Informationen, Energien, die du anzapfen könntest, muss es ausgerechnet die depressive Phase werden?  Mit dem Sinn von Sein werden wir auf uns selbst verwiesen. Unser Bewusstsein steht im Mittelpunkt, dass wird immer deutlicher – auch in der Wissenschaft. Das Bewusstsein führt alles in die Realität. Es sieht so aus, als arbeite unser Bewusstsein mit Atomen. Das Unterbewusstsein ist dabei unser Realitätsschalter.  Das sagt auch Epikur“, brachte ich lautstark hervor und ergänzte freudig zitierend, „wir sollen nicht dem Körper unseren Vorwurf machen, als ob er die Ursache von großen Übeln sei, und nicht unser Unglück auf die Umstände, in denen wir leben, schieben, vielmehr sollen wir die Ursachen dafür lieber in der Seele suchen. Epikur ist  sich mit Wittgenstein und dem Rest aller Quantenphilosophen- und physikern  einig. Den östlichen Weisheitslehrern ist das immer schon klar gewesen.

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 dieser Kommentar einer fröhlichen Leserin traf gerade ein:
The space between heaven and Earth is like a bellows.
The shape changes but not the form;
The more it moves, the more it yields.

– Lao Tse, Tao Te Ching Chapter 5 –

Ich sage Danke.

Was meinst du, wie viele Menschen glauben, dass sie eine Kraft in ihrem Körper haben, die sie nicht
voll verwenden.  Und wie viele glauben, dass die Kraft da ist, in ihnen ist? Warum verwenden wir sie nicht? Es gibt doch einen Grund dafür. Falsche Annahmen,  wir sind von falschen Annahmen ausgegangen, über das Universum, über uns, über mich, über dich, über die Welt.

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Die Realität dieses goldigen Elefanten in Thailand verschränkte sich innigst auf die Kokosnuss, glaubten wir. Wahrscheinlich sah die Welt des Elefanten noch ganz anders aus. Ich fühlte mich irgendwie angesehen. Elefanten hören übrigens mit ihren Füßen – aus kilometerweiter Entfernung. Die Ohren fächern Luft herbei. Und hinter den Ohren saßen wir, barfuß und lenkten sie auf zarteste Weise. Wunderbare Lebewesen. Foto: Kunze

Der Raum, die Leere des Universums  soll nach gängiger Wissenschaft leer sein – das stimmt nicht. Der Raum zwischen uns und den Sternen ist nicht leer. Es gibt etwas in jenem Raum, das ist das, was uns die Kraft gibt, unseren Körper zu heilen, Frieden in unsere Welt zu bringen und diese Welt zu verändern, wenn wir die Sprache verstehen, um zu diesen Dingen zu sprechen, die leer sind.

Es passiert wirklich etwas Großes in dieser Welt. Vielleicht endete der Maya-Kalender auch darum hier und jetzt. Es ist so. Dies ist eine Zeit, die anders ist als jede andere in der Geschichte.  All die neuen Erkenntnissen könnten unsere Welt beenden, wie wir sie jetzt kennen.  Wir sind keine Opfer in dieser Welt, wir brauchen nicht leiden, alt werden, wie die Wissenschaft es sagt, wie brauchen nicht Kriege zu führen.  Dieses Energiefeld existiert da draußen und es existiert in uns. Das ist wissenschaftlich bewiesen. Das ist kein Spuki-Spuki.

Wir betrachten gewöhnlich nur die Materie, viel wichtiger sind die Wechselwirkungsquanten.  Zwei Menschen meditierten gemeinsam in einem Raum. Nachdem eine Verschränkung durch eine gemeinsame Meditation stattgefunden hat, sind die Probanden 3 Meter auseinandergebracht worden. Eine Lichtquelle leuchtete in die Augen von Proband A. Person B zeigte anschließend die gleichen Signale in seinen Augen auf.

Unterschiedliche Quantenobjekte -beispielsweise Elektronen, Photonen oder aber ganze Atome –  können als ein identisches System beschrieben werden, nicht mehr als separate Objekte mit unterschiedlichen Zuständen. Zwei oder auch mehr verschränkte Teilchen verhalten sich so, als ob sie wie mit einem unsichtbaren Faden miteinander verbunden wären. Verändert man beispielsweise den  Spin (Drehung um die eigene Achse) eines Photons A, so verändert sich zeitgleich der Spin des verschränkten Geschwister-Photons B in identischer Weise. Wasser wurde  in zwei Wasserflaschen gefüllt. Ein Mann trinkt aus Wasserflasche 1 und fliegt von jenem Ort  A nach Ort B. Am  Ort A wird danach die zweite Flasche Wasser mit einer Droge verschränkt, in dem Augenblick bekommt der Mann in Peking arg andere Gefühle.

Der freie Wille dringt sozusagen in die Physik ein. Spins richten sich nach den vom Experimentor – zufällig  im Kopf angedacht – als Referenzrichtung aus. Der Versuch wurde mehrmals wiederholt und immer wieder geschah dieses. Spins sind die Architekten von Molekülen. Der Spin sorgt für ein Ordnungsschema. Das Bewusstsein  kann offensichtlich mit dem Spin wechselwirken!

Es sieht so aus, dass unser Bewusstsein mit Atomen arbeitet, sie ein Output unserer Überzeugungen sind. Ich muss an dieser Stelle ganz tief durchatmen.

Wer hat dieses System etabliert?, frage ich mich nur jetzt.

Und für meine kluge Freundin:
Max Planck, in Florenz: „Hinter allem steckt ein intelligenter Geist, der Urgrund aller Materie.  Nicht die sichtbare Materie ist das Wahre, sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre.“

Glaubst du, unsere inneren Erfahrungen, unsere Herzen, unsere Gefühle in unseren Körper haben keine Wirkung auf diese unsere aller Welt, auf deine Welt? Glaubst du das?

Es gibt eine Sprache in uns. Es gibt sie in jedem von uns. Eine Sprache ohne Worte, eine Sprache der menschlichen Emotion. Sie ist  verloren gegangen in westlichen Traditionen. In alten indigenen Traditionen lebt sie hingegen noch. Bei den Aborigines wird sich tagelang Zeit genommen für Träume, in unserer Gesellschaft sagt man Kindern sehr schnell: Träume nicht. Hör auf zu träumen, mach dies oder das.  Ist es nicht so?

Warum haben wir mitunter Tränen in den Augen. Ein Bild gibt mir den Grund, eine Auslöser, eine starke Geschichte, eine starke Betroffenheit. Dieses Gefühl ist eine Sprache. Etwas ist in unser Herz gelangt. Dieses Gefühl ist etwas, das nicht im Verstand geschieht, über die Logik hinweg, bloß ein Gefühl, über den Verstand hinaus. Dieses Gefühl hat eine Wirkung auf Atome.In der Meinung der Mainstream-Wissenschaft sind wir passive Beobachter, machtlose Staubkörnchen, die, wenn sie weg sind, das Universum nicht mehr interessiert, ob es uns gab. In der Wissenschaft der Quantenphysiker- und philosophen sind wir tatsächliche Schöpfer, die vergessen haben, ihre Kraft zu verwenden.

Indem wir unser Leben leben, gestalten wir das Universum. John Wheeler sagt genau das Gegenteil von Einstein: Es ist der Akt von uns. Dieser Akt macht das Universum erst zu dem, was es ist. Wir sind Teil eines Universums, dass nicht fertig ist. Wir sind winzige Stäubchen, die sich anziehen und aufbauen. Wir sind ein teilnehmendes Universum.“ Wir kontrollieren nicht, sondern wir nehmen teil, wir sind Mitschöpfer. Das Bewusstsein erschafft unser physisches Bewusstsein.

Geheimnis der Gedanken

„Wenn du stetig darüber nachdenkst, dass du nicht attraktiv bist, bist du es auch nicht. Denke dich schön, denke dich attraktiv, denke dich erfolgreich, denke dich liebend, handle aus dem Gefühl der Fülle heraus“, sagte ich zu meiner klugen Freundin.

Was für Überzeugungen haben wir?  Darauf gründet sich unsere Realität. Was glauben wir von unserem Leben, von uns selbst, von der Welt, unseren Fähigkeiten und unseren Begrenzungen? Wie mächtig ist wirklich eine Überzeugung?

„Die Macht der Überzeugungen eine unendliche Kraft, gegen die keine irdische Kraft eine Auswirkung haben kann.“ (Neville 1952: Die Macht des Bewusstseins) Wunder sind Glauben und Überzeugungen.

Rund 70 Jahre sagen uns die Wissenschaftler, wir sind kleine Partikel von  Quantenenergie. Diese Partikel können an gleichen Orten oder mehreren Orten gleichzeitig sein. Sie sind immer miteinander verbunden.  Quantenpartikel können in der Vergangenheit und in der Zukunft kommunizieren. Sie wissen alles, was es zu wissen gibt.  Jetzt verändern, und es verändert auch das, was es in der Vergangenheit sein musste, um in die Gegenwart zu kommen, auch wenn die Vergangenheit geschehen ist. Wir bestehen aus diesen Partikeln. Können wir das tun, was diese Partikel können?
Zeigen sie uns unsere Möglichkeiten?

Rumi

Mewlana Rumi, Dichter, Derwisch und Begründer türkische Sufi-Orden.

 

Mewlana Rumi, der berühmte Derwisch, Dichter und Gründer des türkischen Sufi-Ordens: „Welche eigenartige Wesen sind wir, die in der Hölle sitzen, ganz unten in der Dunkelheit und fürchten uns vor unserer eigenen Sterblichkeit. Was ist, wenn wir uns vor unserer Kraft fürchten? Was ist, wenn wir uns vor der Kraft in uns fürchten, das Leiden zu heilen?“

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Ein Kommentar zu “Zurück aus der Atempause – Renaissance der Sinne

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