Trotz massiver Morddrohungen Buch veröffentlicht

Trotz massiver Morddrohungen Buch veröffentlicht

Ihr Buch, „Sklaverei – Im Inneren des Milliarden-Geschäfts Menschenhandel“, wollte Lydia Cacho  eigentlich 2011 auf der Lit Cologne persönlich vorstellen. Damals musste sie der größten Buchmesse der Welt absagen, weil sie erkrankte. 2012 erschien das Buch.

Ich berichtete bereits im Artikel vom 13. Januar über ihre Flucht aus Cancun und ihrer Odysee, dank eines Gouveneurs aus dem Bundesstaat Pablo und eines Unternehmers. Von Mexico-City zieht sie  in die Stadt, in der sie eine Pädophilenring aufdecken wird und  in dem genau jene Männer massiv involviert sind. Eigentlich zieht sie wegen  größtmöglicher Aussicht auf Ruhe und Sicherheit auf die Halbinsel Yucatan, bis dann – trotz massiven Sicherheitsvorkehrungen – selbst die Telefonanlage nicht ausreichend Schutz bietet und sie Hals über Kopf, innerhalb weniger Stunden, das Land Mexico aus Sicherheitsgründen verlassen muss.

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Lydia Cacho, geboren 1963 in Mexiko-City, ihre Mutter ist Französin. Eine sehr beeindruckende Persönlichkeit.

„Noch nie war Sklaverei so weit verbreitet wie heute.“ Das beschreibt die mutige Enthüllungsjournalistin Lydia Cacho in ihrem Buch „Sklaverei“.  Die Menschenrechtlerin schreibt über Menschenhandel, Kinderraub und Prostitution in Mexico. Trotz  massiver Morddrohungen veröffentlicht sie, und läßt einen übermächtigen Pädophilen-Ring auffliegen.  Wie skrupellos diese Menschenhandelmafia ist, erlebt Cacho am eigenen Leib. Sie wird verhaftet und gefoltert. Doch sie gibt nicht auf. Undercover recheriert die Autorin weiter, reist in die Türkei, nach Israel, Palästina, Kambodscha, Birma und Argentinien.

Zwangsprostitution –  meistens von Frauen – sei mit 79 Prozent die häufigste Form der modernen Sklaverei. Zwangsarbeit, Haussklaverei, Kinderhandel sowie Organhandel bildeten nicht minder grausame Formen von Missbrauch – auch darüber liest man in ihrem Buch. Sie deckt auf. Sie deckt auch die Machenschaften der korrupten Politiker und weltweit agierenden Menschenschänder auf. In allen diesen Ländern spricht Cacho mit Opfern, mit Frauen und Kindern,  die der Zwangsprostitution ausgesetzt sind, mit  Kunden, Pädophilen, Beamten der Einwanderungsbehörden und mit Flugkapitänen bestimmter Airlines. Am Ende zeichnet Cacho ein ziemlich genaues Bild über das Netzwerk des internationalen Menschenhandels.
Nach Angaben der UN leben heute 27 Millionen Menschen in sklavenähnlichen Verhältnissen. Um herauszufinden, wie diese Zahl zustande kommt und wie heutige Sklaven leben, hat Lydia Cacho fünf Jahre lang recherchiert. Zeitweise  verkleidete sie sich sogar als Prostituierte, erfuhr sie von  potenzielle Freier darum auch viel mehr als in ihrer eigentlichen Rolle als Journalistin.

Cacho bringt sich selbst durch ihre Recherchen in große Gefahr.  Die Mafia will die Veröffentlichung ihrer kriminellen Machenschaften unbedingt verhindern. Die Gier des Geldes und die Gier nach Macht, immerhin sorgen diese weltweitenVerbrechen für  jährlichen Einnahmen von 135 Milliarden Dollar.   Menschenhandel bringt der Mafia inzwischen mehr ein als das Drogengeschäft. Nur darum steht Lydia Cacho in ihrer Heimat längst auf  allen Todeslisten.

Ständiger Personenschutz . In den vergangenen zehn Jahren wurden  allein in Mexico mindestens 70 Journalisten  ermordet. Lydia Cacho berichtet in ihrem Buch davon, wie ihr einige versklavte Frauen die schlichte Frage stellten: „Wie fühlt es sich an, wenn man machen kann, was man will?“ Nun, sie wird es auch nicht mehr wirklich wissen.

Die Odysee einer mutigen Frau

2005 wird Cacho von sechs bewaffneten Männern entführt.Eine mehr als 24-stündige Horrorfahrt quer durch Mexico beginnt. Aus den Gesprächen der Männer erfährt sie, dass der als „Jeanskönig“ bekannte Unternehmer Kamel Nacif dahinter steckt. Seine Verbindung zu einem Kinderprostitutionsring hatte sie in ihrem gerade erschienen Buch „Los Demonios del Eden“ offen gelegt.Es gelingt ihr jedoch aus dem Auto heimlich eine SMS an ihren Lebensgefährten zu senden, der dafür sorgt, dass Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International mobil machen und sie gegen eine Kaution aus dem Gefängnis freikaufen. Nur so entgeht Lydia Cacho der eigentlich geplanten Folter im Gefängnis. Später erfährt sie, dass der Jeanskönig gut mit Mario Marín, dem Gouverneur des Bundesstaates Pueblo, befreundet ist und dieser Cachos Verhaftung organisiert hat. Folterung und eine Vergewaltigung waren von diesen beiden geplant. Sie sollte endgültig mundtot gemacht werden. Im anschließenden einjährigen Prozess wegen Rufmordes wird die Journalistin schikaniert – Nacif kauft ihren Anwalt, der daraufhin sehr nachlässig arbeitet. Doch Cacho wird  2007 freigesprochen. In Puebla gehen währenddessen Tausende gegen den Gouverneur auf die Straße, doch er behält sein Amt. Einige Zeit später isst Cacho mit Freunden in einem Restaurant, als ihr ein Fremder diskret anbietet, Marín und Nacif zu ermorden. Er ist ein Bewunderer ihrer Arbeit und außerdem der örtliche Chef der Zetas, dem brutalsten Drogenkartell Mexikos. Cacho lehnt das Angebot erschrocken ab.

Auch das ist Mexico immer noch.

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