Lass uns einen Kaffee lang reden

jalapa letzte Tag 065

Die Region um Xalapa und Coatepec im Bundesstaat Veracruz im Land Mexico ist ein Hochland für Kaffeepflanzen. Coffea arabica. Der Kaffee  ist ein Feinschmecker-Kaffee. Cafè Altura, der Kaffee aus der Höhe, der aus der besten Lage kommt. Mein Kurzaufenthalt in einer mexikanischen Kaffeerösterei begeisterte mich. Der dortige Kaffeebauer erzielt mit nachhaltigen Methoden beste Bohnenergebnisse. Bohne für Bohne gepflückt, geschält, und nochmal geschält, getrocknet, nach Größen und Qualität sortiert, geröstet. Exakte 8 Minuten rösteten meine ganz persönlichen Kaffeebohnen in Senor Angel`s Mini-Röst-Maschine. (Film lege ich nach. Bitte um Gedud). Sekunden zum Mahlen und ab in die italienische Espresso/Kaffeemaschine. Die feinen Rohstoffe entfalteten sich auf`s Beste. Weicher und aromatischer Kaffee in meiner Tasse. Mmh.  Güteabsolution erteilt! Der süssliche Duft Mexico`s, das Land der Kaffeepflanze arabica, das Land der kleinen Straßenläden, in denen sich die Kaffeesäcke stapeln und der Duft der frischen Bohnen, all das floß in meine kleine Kaffeetasse mit ein.

Die Artikelserie „Martina`s kleine Kaffeewelt“ startet hier und jetzt . Setzt Euch mit mir auf mein Coffee Bike. Ich verfolge  den Weg der edlen Bohne vom Kaffeestrauch bis in die Tasse und präsentiere die Geschichte röstfrisch.

Maya 137

jalapa letzte Tag 064

Reif sind Kaffeekirschen, wenn sie rot leuchten. Unter dem Label Cafe`Altura produziert jener Herr. Die Bezeichnung verweist auf Höhencafe und meint Kaffee, der aus dem Hochland stammt. (die Höchstgrenze liegt bei 1300 Meter, dann hört es auf mit guten Kaffeebohnen)

 


„Freiheit, Gleichheit, Brühkaffee!“

Kaffee war schon immer das Getränk des Geistes. Jemen war lange Zeit das zentrale Hochland der Bohne. Von dort aus breitete sich Kaffee über Mekka und Medina aus. Die ersten Kaffeehäuser in Mekka galten als „Schulen der Weisheit“. Europas Revolutionen wurden in Cafès erdacht. Das ist kein Zufall. Kaffee und Aufklärung. Nüchternheit und Gedankenfreiheit verbreiten sich in Europa zur selben Zeit. Bis zu Ankunft von Kaffee in Europa trank man schon morgens Alkohol, Bier zumeist. Bier war keimfrei, Wasser war es nicht. Schon aus diesem Grund trank man sehr viel Alkohol. Beethovens Körper war voll von Blei, fand man heraus. Zu seiner Zeit war Wein stark bleihaltig. Seine Weinleidenschaft war bekannt. In Bonn soll er einst in einer Ausnüchterungszelle des Bonner Gefängnisturms gelandet sein. Es machte nicht nur trunken, sondern auch passiv. Kaffee hingegen schärft die Sinne. Kaffee galt bald als Wein der Denker. Dass wir unsere Leber allerdings bei jeder Tasse Kaffee gegen eine harte Betonwand fahren, soweit dachten sie damals nicht.

Voltaire

Voltaire trank 50 Tassen am Tag. Diderot und Defoe liebten den „Türkentrank“ über alles. Balzac hätte ohne ihn keine Zeile zu Papier gebracht, Bach ließ sich eine Kaffeekantate einfallen und Kant kam auch nicht „ohne“ die brühheiße Anregung klar. Stieg der Diener endlich mit dem Kaffee die Treppe hoch, so rief er jauchzend „ich sehe Land“.

Jardin Botanico 013

Kaffeepflanzen im Jardin Botanico, im botanischen Garten Xalapas

Lenin verbrachte seine Tage im Cafè Odeon zu Zürich, bis er 1917 nach Russland reiste, um dort Revolution zu machen. Und Trotzki, der ja scheinbar eine kleine Liason mit Frida Kahlo in ihrem Blauen Haus erlebte, Trotzki, eigentlich Lew Dawidowitsch Bronstein, saß zuvor im Wiener Exil und hockte im Cafè Zentral. Dort saß ich auch schon. Ich liebe dieses Kaffeehaus. Camille Desmoulins springt vor dem Kaffeehaus Cafè de Foy beim Palais Royal, die Hochburg der Königsgegner, auf den Tisch und ruft in die Menge: „Zu den Waffen Bürger!“  Es ist Revolution. Ludwig der XVI. hat kein Geld mehr, ist am Ende. Das erste Kaffeehaus in Europa eröffnete 1554 in Konstantinopel, heute Istanbul. 1647 folgte das berühmte „Café Florian“ in Venedig. Erstaunlich bevor die Engländer Tee zum Nationalgetränk erklärten, schlürften sie Kaffee.  Nach Venedig folgten Kaffeehäuser in Oxford, London, Marseille. Und auch  Bremen, Hamburg, Wien und Paris eröffneten ihre eigenen Kaffeehäuser. Weitere Städte folgten. Das erste deutsche Kaffeehaus war das Kaffeehaus „Schütting“ 1673 in Bremen. Kaffeehäuser waren früher Treffpunkte für Gelehrte, Philosophen, Schriftsteller und Künstler. Werke von Jean-Paul Sartre, Hemingway, Thomas Mann oder Hugo von Hoffmannsthal sind in Kaffeehäusern entstanden. Jedes Kaffeehaus hatte seine eigene hochkarätige Besucherschaft.

Hobbes, John Locke, die englischen Philosophen. Wo wurde diskutiert? In Londons Cafès. Man zahlte einen Penny und war drin. In den Cafès hatte jeder das Recht alle Zeitungen zu lesen- die für und die gegen die Regierung. Voltaire – sein Getränk war mit 50 Tassen nun wahrlich der Kaffee. Sein Cafè Procope gibt es noch immer. Er verbreitete die Kaffeehauskultur. Flammende Reden wurden seinerzeit in Cafè s gehalten.

Aber auch in Südafrika während der Apartheid waren die Cafès politische Zentren. Intellektuelle, Journalisten, Mutige schmiedeten dort ihre Pläne.

reife Kaffeekirschen

Triest ist die Kaffeehauptstadt Italiens

Kaffee ist nach Erdöl der meistgehandelte Rohstoff der Welt.

Nirgendwo sonst in Italien trinken die Menschen mehr Kaffee. Im Rest des Landes werden 6 kg pro Kopf und Jahr verbrüht, etwa so viel wie in Deutschland. In Triest sind es zehn. Es gibt sogar eine Universität del Caffeè, um die Kaffeekultur weltweit zu verbreiten. Triest war im 18. Jahrhundert Handelsmetropole. Kaffee aus aller Welt wurde hier gehandelt. Schon 1768 gab es elf kleine Röstereien. Heute finden sich in Triest altehrwürdige Kaffeedynastien wie Hausbrandt.  In Italien, in Mexico, auf Kuba wird auf dem Weg zur Arbeit noch schnell ein ‚piccolo‘ getrunken und sich über dies und das ereifert.

Es gibt viele Wege, einen guten Kaffee zu verderben, hörte ich im mexikanischen Xalapa, dem Kaffeepflanzenparadies in besonderer Lage. Zucker und Milch sind zwei davon. Ein guter Kaffee braucht weder das eine noch das andere. Der ‚Nero‘, der Schwarze wird in Mexico getrunken. Er schmeckt weich, gar nicht bitter. Er ist wunderbar aromatisch. Und es stimmt. Milch ist für Anfänger. Ich, die sonst immer Kaffee mit Milch trinkt, verstand erstmalig in Mexico, warum nur schlechter Kaffee Milch oder Zucker braucht.

Ich lernte, ein richtiger Espresso ist nur ein Schluck. Sonst stimmt etwas nicht. In Deutschland sind die Tassen zu voll. Das richtige Zeitfenster ist ebenso von großer Bedeutung. 30 Sekunden braucht ein Espresso von der Maschine in die Tasse. Dauert es länger, stimmt der Druck nicht. Und die Qualität der Bohnen machen den feinen Unterschied. Sind die Bohnen frisch gemahlen?  

jalapa letzte Tag 076

Europäische Kaffeezeit

Die europäische Kaffeezeit mündete zu Beginn des 20. Jahrhunderts in ein reines ungetrübtes Vergnügen.  1908 hatte die patente 35jährige „Kaffeetante“ Melitta Bentz den unbekömmlichen Bodensatz endgültig leid, sie durchlöcherte eine Blechdose schnitt ein Löschblatt aus dem Schulheft ihres Sohnes zurecht und brühte in Dresden für ihr Kränzchen den ersten Filterkaffee auf. Ihr geniale Idee veränderte ihr Leben und die Kaffee-Welt: Das Familienunternehmen zählt heute weltweit 4500 Mitarbeiter. Der ganze Kult um den Hochgenuss entfaltet sich im LTA, wo auch die kleine und feine Ludwigshafener Rösterei Mohrbacher auf beste Aromen setzt.

 

Thomas ist für das Pflücken der Kaffeebohnen zuständig auf der Ranch am Berg des Nebels auf 1000 Meter Höhe. Optimale Bedingungen für 1a Bohnen.

Die Wahrheit liegt auf dem Grund eines Mokkas

Den wahren Kaffeesatz zum wahren Kaffeesatzlesen gibt es nur bei arabischen, türkischen oder griechischem Mokka.  Ein Löffel auf eine Tasse. Dazu noch einen Teelöffel Zucker, damit die Konsistenz stimmt. Umrühren warten, dass sich der Kaffee setzt, vorsichtig austrinken, bis ein Hauch Kaffeesatz die Lippen berührt, dann kommt der entscheidende Moment. Untertasse drüber, Tasse umdrehen und das Ganze auf den Kopf stellen. Studieren kann man es bei einem zypriotischen Meister. „Kaffeedomantie“ heißt es wissenschaftlich. Nun die Inkas lesen aus Choca-Blättern, die Japaner erkennen seit Menschengedenken die Zukunft aus Teeblättern. Die meisten Männer halten all das für Quatsch, im Gegensatz zu ihren Frauen. Der Blick in den Kaffeesatz ist in Griechenland, der Türkei sowie Zypern eine alte Tradition und immer noch gelebte Tradition. Die Helligkeitsgrade spielen eine Rolle, die Hügel und die winzigen Schluchten, die erkennbaren Figuren und ihre Stellung im Gesamtkomplex. In etwas so wie beim Bleigießen, wo eine Blume bedeutet, dass eine neue Liebe naht oder ein Baby.

Keine Lust auf die nächste Tasse Kaffee?

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