Veracruz tanzt

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So sieht er aus, der Hafen von Veracruz

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So sah er 1915 aus

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Von Playa del Carmen über Cancun ging es mit dem Rapido-Bus im Non-Stop weiter Richtung Veracruz

Wir fuhren von Playa del Carmen durch jede Menge Regen, rollten nochmals durch die Mega-Stadt Cancun, weiter Richtung Bundesland Tabasco, Villamosa. Es ging also quer von der einen Küste zur gegenüberliegenden Küsten Richtung Veracruz. Xalapa (Jalapa) liegt 140 Kilomenter entfernt von Veracruz. Einhundertvierzig Kilometer weniger Busfahrt fühlten sich gut an für mich. Der Luxusbus brachte uns allen mehr Beinfreiheit, Kopfhörer und Lounge-Music für die gesamte Fahrt durch Mexicos Ost-West-Kurs. Allerdings auch eine verdammt laute Schnarchmaschine – eine ältere Dame.

Solltet ihr vielleicht irgendwann in diesem oder im nächsten Leben mit dem Autobus in Mexico unterwegs sein wollen, dann werdet bitte nicht nervös, wenn ihr als Passagier – wegen Pause von ca.20 Minuten – in Villamosa aussteigt, der Bus plötzlich die Türen schließt, rückwärts gegenüber einparkt, um dann plötzlich gänzlich von der Busstation zu verschwinden. Ich teile diese Information gerne mit Euch. Oh, mui grande Gefühl. Keept ganz cool und verlasst Euch bitte tranquillo auf die Mexikaner und Mexikanerinnen, die beobachten uns Gringos nämlich und sind sofort zur Stelle und erzählen dir/mir etwas auf Mexikanisch, was nicht dem Spanischen gleichkommt – auch so viel lernte ich. Die Mexikaner sprechen das  C anders aus, als es die Spanier tun. Ich war selbstverständlich nicht mit meinem Gefühl allein, bin ja schließlich nicht allein so blöd, eine weitere junge Dame mexikanischer Natur(ja, ja liebe Männer, immer die Frauen!) stand mit großen Augen neben mir. Geholfen wird einem in Mexiko immer. Ihr bleibt nie lange mit Eurem Gefühl allein.

Villamosa ist die Station, an der diese Busse zwischendurch eine Reinigung erfahren. Innen und Außen – jawohl. Anschließend verlässt der Bus die Station Innenhof und dieses große Etwas  fährt schwungvoll galant um das Gebäude herum, parkt auf der anderen Seite ein – wenn man Glück hat lukt man durch den Innenbau der Busstation und erwischt ihn mit seinen zwei großen verwirrten Augen. Als Passagier hat man  jener Spur zu folgen, geht durch die Innenhalle und wartet bis man wieder die Erlaubnis erhält die Schranke durchzuschreiten – oh dort stehen Männer oder Frauen mit Schlagstöcken. Sieht man allerdings seinen Bus dort nicht – dann darf man darauf vertrauen, man ist vergessen worden und darf so richtig nervös werden. Ich stieg wieder ein.

Tja – Veracruz. Was halte ich von diesem Fleckchen Mexico? Ich verlief mich spät am Abend. Die Stadt ist groß und die Straßen und Bauten in erster Reihe sind sicherlich sehenswert. Dort tanzt die Stadt. Samba-Rhythmen in einer Passage, eine Ecke weiter eine Live-Band mit wunderschöner mexikanischer Musik, zwei Gassen weiter Gaucho-Matadore  mit Riesengitarren und Trompeten in Orginal-Mexico-Kleidung, wie wir sie aus Filmen kennen. Die gesamte Boulevard-Umgebung nah des Hafens (der mich nicht wirklich beeindruckt), ist durchaus interessant. Klassische Bauten, jede Menge Monumente, Erinnerungsstücke aus alten Zeiten bis hin zu Fotoserien in Großformat aus der Zeit um 1900. Das berühmte Cafè Parraoquia –  nun, ich wollte hinein, aber der Andrang war von so großer Art, dass ich wohl, hätte ich gewartet,  bis jetzt noch dort stehen würde. Schade. Habt Ihr doch sicherlich schon von gehört? Das sind die berühmten Männer, die jedem Kaffeetrinker die Milch treffsicher und das in hohem Bogen in unseren Kaffeetassen verschwinden lassen. Berühmt. So blieb es einzig bei einem Foto von außen.

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Die Stadt Veracruz gehört den Mexikanern. Selbst Amerikaner gehen dort einigermaßen unter. Sie ist ein nationaler Touristenort. Mexikanisch. Mexikanischo. Mexikanischissimo. Ich bin hier die einzige Europäerin. Ich fühle es. Hier spricht man in den teuersten Hotels kein Wort Englisch – höchstens der Chef des Hotels. Ich auf der Suche nach einem Hotel. Nein, besser ich suchte nach einem Zimmer für eine Nacht. Hotels gibt es jede Menge dort. Nach einer langen Rundfahrt mit dem Taxi fiel ich mitsamt Koffer in eines der teuersten und schönsten Hotels an diesem Stück Küste.Wunderbar. Geschafft.

Veracruz, die einstige Hauptstadt von Mexico bietet Europäern nichts. Hunger. Das leidige Thema Geldautomaten – eine Katastrophe – dagegen war Playa del Carmen Schlaraffenland.

Ich setze mich in eine Comedia und aß einen Berg feinste Scampis, wirklich feinsten Fisch, tomatig-scharf abgeschmeckt, aß sie alle mit den Fingern, hinterließ einen Berg von Papierservietten und unterhielt mich mit einer Dame auf netteste Weise. Comedia sind Lokale, in denen die Einheimischen essen gehen. Dort, ich erwähnte es schon einmal, kann man am besten essen. Bis auf wenige Ausnahmen enttäuschten mich bislang die Touristen-Restaurants. Gut, es kann sein, dass der Kellner, dir einen Pommes frites aus deinem Schälchen wegfuttert, weil sein Hunger ihn treibt oder er legt dir mal den Tisch-Wischlappen neben deinen Teller, weil er gedanklich schon wieder zwei Teller an einen anderen Tisch bringt. Das ist mir aber nur in Veracruz passiert!

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Eine Bimmelbahn fährt Touristen durch die Stadt

Später am Abend sah ich mir dann Veracruz ein wenig an, den Teil nah des Hafens und doch nicht nah genug, denn ich verlief mich. Diese Straßen und Häuser sehen hier alle gleich aus. So landete ich in den Straßenvierteln der dritten und vierten Reihe, auch der zweiten – und so kann ich kühn behaupten, dass ist ganz und gar keine schöne Stadt. Schlimm sieht es dort aus.  Die Fassaden auch auf den wenigen Boulevards – vorne sehr schön, hinten herum renovierungsbedürftig. Nah der Hafenumgebung, nun, Mexikaner lieben es laut und bunt. Es wimmelt nur so von Menschen am Hafen, Licht, Farben, Musik.

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Yachtclub in Veracruz

 

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Arbeiterdenkmal für einstige Hafenarbeiter

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Schulen  – oh, es gibt hier viele, die ihre Kinder in die Privatschulen schicken. Da scheint es Geld für zu geben. 5.000 Pesos pro Kind pro Monat. Das ist viel Geld für Mexikaner. Plus Schuluniformen, die hier auch viel Geld kosten. Dafür wollen die Eltern auch ja sehen, dass ihre Kinder gute Zensuren erhalten. Ratet mal, wie das hier läuft. Es kommt weniger auf Leistung an, mehr auf den Lehrer, der die Eltern bei Laune halten möchte und das auch tunlichst beachtet. Darum sprechen hier die meisten Schüler, Jugendliche, Heranwachsende auch kein Englisch, obschon es so etwas wie Unterricht an der Schule gibt. Nicht mal Leute von der Universität –auch hier die meisten nicht.

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Blick aus dem Hotelzimmer

Allein in dieser Stadt konkurrieren 9000 Taxis miteinander. ich bin ein wenig müde vom Verhandeln mit Taxifahrern.

Angeblich soll der Flughafen eine Stunde entfernt sein, erzählte mir der gestrige Taxifahrer, darum ja gleich mal 100 Pesos mehr, also 200 Pesos. Und jetzt wird es wieder spannend. Nix eine Stunde, nicht mal 20 Minuten brauchte es. Und als ich nun heute Morgen im Taxi saß, hupt es neben mir. Der Taxifahrer von gestern wild winkend. Ähm, bitte?  An uns vorbei rauscht ein lautes Vehikel mit großen Lautsprechern und Riesenwerbetafel – Straßenwerbung für die Universität Veracruz! Ich bin abgelenkt. Liebe Universitäten in Deutschland,  wird dies auch eure Zukunft werden? Fahrende Autos und Lautsprecherstimme werben für die Universität. Ähm zurück zum neben mir fahrenden Taxi, der Herr wedelt noch immer mit seinen Fingern. Ich deute seine Zeichen so: Wieso fahre ich nicht mit ihm? „Was soll das denn nun?“ frage ich mich selbst, mein Taxifahrer versteht ja kein Deutsch. Ich bin zu müde für ein Lächeln und habe auch wirklich keine Lust mehr auf weitere gierig bis unverschämt auftretende Mexikaner in Veracruz. Ich wedele ihm 15o Pesos hinüber, zeige ihm, dass es auch anders geht.  Mein Taxifahrer lacht. Ich dann auch wieder.  Zeichensprache feinster Art auf meinem Weg zum Flughafen.  Die Konkurrenz sei mörderisch, meint der Taxifahrer. Ja, merke ich auch gerade.

 

Vielleicht gibt es hier ja noch schönere Ecken. Meine Zeit ist zu kurz, um mich darauf einzulassen. Mit all diesen Erfahrungen hier nun, ich freue mich auf Lampertheim. Jawohl! Deutschland ich habe Hunger auf Rotkohl mit Gulasch. *lach.

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