Im Bambuswald

Im Bambuswald

Cafè Cultura

Wusstet Ihr, dass viele Kaffeeproduzenten ihren Kaffee mit Bohnen oder Zuckerrohr mischen und unsere bekannte Marke Nescafè ihren Konsumenten ausschließlich Abfallprodukte, also halb verfaulte Kaffeebohnen und nicht reife Bohnen, also grüne Bohnen servieren und diese darum auch noch mit künstlichem Farbstoff versehen werden, schließlich soll der Kunde zumindest das Gefühl vermittelt bekommen, er kaufe braunen Kaffee.

Ich erfuhr es heute von einem Kaffeeproduzenten, der mir den Lebensweg bzw. Werdegang einer reifen Kaffeekirsche erklärte. Vorbei am Haus des ‚Maestro Feng Shui‘ führte mich die Reise nach Coatepec. Eine Stadt im Staat Veracruz, deren beste Tage weit zurückliegen. Spuren aus der Zeit, als man mit Kaffee noch zu Reichtum gelangte, finden sich hier und da in Coatepec, Mexikos Kaffee-Hauptstadt . Einst ein heiliger Platz der Azteken, die diesen Ort auf ihrer Reise nach Zentral-Mexiko für sich entdeckten und in dem sie  30 Jahre  bleiben sollten. Der Name der Stadt stammt vom Wort Coati. Es ist ein Nahuati-Wort. Manche der Einwohner sprechen nicht nur Spanisch, sondern auch Nahuati. Auf dem Marktplatz wies mich beispielsweise ein Herr darauf hin, dass er nicht Spanisch, mit mir spreche, sondern Nahuati. Mir fiel es nicht auf, spreche ich beide Sprachen nicht gut – noch nicht gut. 😉

Ich habe heute sehr viel über die Aufbereitung von Kaffeebohnen lernen dürfen. Darüber hinaus durfte ich weltbesten Kaffeezauber zelebrieren. Ich betone zelebrieren, denn jeder Schritt, der mich näher zu meiner Tasse Kaffee brachte, kam einer Zeremonie gleich. Im Büro jenes Kaffeeproduzenten ging es um Gramm und Minuten. Eine exakte Grammzahl von feinsten Kaffeebohnen landete in einem Miniröster, der auf die Minute, nämlich 8 an der Zahl, all diese hin- und herspringenden Böhnchen gleichmäßig röstete. Es duftete herrlich. Anschließend wurden die frisch gerösteten Bohnen gemahlen – und zwar portionsgerecht! Was es doch alles für Maschinen gibt. Von dort  ging es ein Maschinchen weiter, in die italienische Kaffeemaschine. Ich trinke normalerweise Kaffee mit Milch. Diesen besonderen Kaffee wagte ich nicht mit Milch herabzuwürdigen. Genuss pur!  Pretty delicate! Cremig, auch ohne Milch. Stellt Ihn Euch vor, den Kaffeemann aus der uralten Fernseh-Werbung von Eduscho. So fühlte ich mich. Ich trank die besten Bohnen. Der Kaffee aus 1000 Meter Höhe, schmeckte nach 1001 Nacht.

Und das Schönste, alles  mega-ökologisch, alles im Kreislauf des indianischen Prinzips: Ich- nehme-etwas-aus-der-Erde, ich-gebe-etwas-an-die-Erde-zurück  –  energieschonend, das Abfallprodukt Kaffeeschale wird zur Herstellung von Biogas oder von Dünger verwendet. Die Asche als Abfallprodukt durch das Heizen von Kaffeeschalen kommt den Kaffeepflanzen zugute. Die Maschinen zum Rösten, Mahlen und Kochen von Kaffee werden durch Biogas angetrieben. Dieser Kaffeeproduzent leistet Pionierarbeit in Mexiko- und das ohne staatliche Unterstützung, der ihm diese seit einem Jahrzehnt verwehrt, obschon der Staat sich zu `neuen Energien` Jahr um Jahr wieder bekennt. Darüber hinaus  produziert jener Kaffeefarmer den weltweit ersten, wirklich echten Kaffeelikör. Echt, weil zu hundert Prozent alle notwendigen Inhaltsstoffe aus der Frucht Kaffeebohne enthält. So auch der Alkohol, den man für die Herstellung von Likör benötigt. Dieser entsteht aus der Produktion von Kaffee entsteht.

reife Kaffeekirschen

Reif sind Kaffeekirschen, wenn sie rot leuchten. Unter dem Label Cafe`Altura produziert jener Herr. Die Bezeichnung verweist auf Höhencafe und meint Kaffee, der aus dem Hochland stammt. (die Höchstgrenze liegt bei 1300 Meter, dann hört es auf mit guten Kaffeebohnen)

Ich stand ziemlich überrascht zwischen einer Kaffeebohnenschälmaschine (Trommelpulper) und dem Nebenprodukt, eine Art Met, als ich all jene Informationen gleich mit geliefert bekam.  So wie sie reif am Baum hängt, ist die Kaffeekirsche nicht nutzbar.  Immer wieder müssen Kaffeepflücker in die Plantagen, um nur die reifen zu pflücken. Reif, unreif, halbreif hängen nämlich alle zusammen am selben Zweig.  Gepflückt werden sie zunächst zum Trocknen ausgebreitet. Sortiert wird über eine Maschine nach 1.,2. und 3. Qualität. Das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche ist wasser- und zuckerhaltig, die Schalen sind feucht und der Bohnenkern ebenso. Darum wird die gesamte Umhüllung entfernt. Eine reife Frucht besteht aus Pulpe (Kirschfleisch), Fruchtschleim, Pergamenthaut und der eigentlichen Bohne (ca.40 Prozent).  Das muss geschehen, ohne die Kaffeebohnen in ihrer Pergamentschale zu beschädigen oder zu erwärmen. Darum der Trommelpulper,  dessen Noppen erfassen die Kirschen und drücken sie gegen die Trommelwand, sodass die Bohnen aus der Kirsche gequetscht werden. So eine Art Vibrationssieb. Danach muss die Bohne entschleimt werden. Es folgen etliche Trocken, Reinigungs und Sortiervorgänge nach Dichte- also Gewicht in Relation zur Größe), Größe und nach Farbe.

Wir planen ein Kurzfilm über seine Produktionsstätte  und  ein Kaffeebuch. Ich werde gerne jenen Kaffee mit nach Deutschland nehmen und einem guten Bekannten (Wein-und Feinkost) zum Verkauf ans Herz legen. Dank des Freihandelsabkommens mit der EU ist zumindest der Export vereinfacht worden. Sowohl Jürgen mit seiner Pioniersarbeit in Sachen Biogas als auch jener Kaffeeproduzent haben keine Zeit und wissen doch mit Blick auf  ‚eine heilende Entwicklung dieser Welt für alle Menschen‘, ihr fulminantes Wissen sollte jungen Zukunftsagraringenieuren und Zukunftskaffeeproduzenten gereicht werden. Ich nickte mit gespitzten Ohren, strahlend zustimmend mit einer Filmkamera in der Hand schlug ich Kurzfilm und Kaffeebuch vor.

Coatepec

typisches Straßenbild

40 Millionen Mexikaner leben von weniger als100 Pesos am Tag, Alkohol, Drogen

40 Millionen Mexikaner leben von weniger als 100 Pesos am Tag.  Alkohol, Drogen

Weiter ging es in ein Straßen-Lokal. Zwischen Haus und Haus ein Wellblechdach angebracht, ein paar alte Holztische, Plastikgeschirr. Tortillas, scharfe Saucen, Hühnerfleisch kleingehackt und frisch vom Grill, Koriander, Zitronen, ein Wasser, ein Saftgetränk, zwei Personen – 100 Peso, das sind umgerechnet 7 Euro. Die Mexikaner essen nicht wie die Thailänder um Punkt 12 Uhr, sondern gegen 14 Uhr. Drei Männer mit Gitarre, klein, groß, Akkordeon und Gesang kamen herbei, Straßenmusikanten im T-Chili-Sound, Musicà Mexicana. Die Dame der Küche kam eigens zu mir und klärte mich über die Schärfe der Saucen auf, sie wolle mir gerne weniger Pikante bringen. Als ich selbst bei jenen Saucen noch Reis in meinen Mund stopfte um die Schärfe zu neutralisieren, lachte sie herzlich und behielt mich im Auge. Ich lachte auch kurz darauf wieder.

Koriander ist übrigens ein wichtiges Gewürz in der mexikanischen Küche.

Weiter ging es in die staatliche Landwirtschaftsschule. Auf der Suche nach heimischen Plantas Aromatica und Medicina für meinen geplanten Kräutergarten schlug mir Jürgen vor, dorthin zu fahren. Uns wurde statt des Kaufes von Kräuterpflanzen eine Privatführung zuteil, total nett, eigentlich ist das Institut samstags geschlossen. Von Melisse über Ruta und Rosaceapflanzen, über Rosmarin, Lavendel – es gibt dort einiges Interessantes. Nicht nur, dass dieser Herr uns unerwartet durch das Gelände führte, dazu bekamen wir noch eine Pfefferminzpflanze, Ruta und gezogenen Schnittlauch geschenkt, worüber ich mich riesig freute. Der Ausflug endete in einem Wald von Bambus und einem reinen Bambushaus.

Bambushaus

Nicht jeder Bambus ist dafür geeignet . Es braucht eines bestimmten Reifegrades, ansonsten ist der Bambus nicht widerstandsfähig und dauerhaft beständig

Weiter ging es zurück auf die Rancho, die den Namen „Versteckter Hügel“ trägt, um das Auto zu wechseln. Mit dem Riesenschiff von Auto sollte bestelltes und bereits gestapeltes Kaminholz zu einem Italiener gebracht werden. Ich entschied mich, mitzufahren. Später erfuhr ich von diesem Herrn de Perez, er habe drei Jahre seines Lebens bei Schamanen verbracht, genoss die Wirkung sakraler Pilze, auf dem Weg zu höheren Wesen, Teil eines größeren Ganzen, persönliche Vertiefung, Bewusstseinserweiterung…Mindestens Homöopath mit 250 Mitteln auf dem Tisch gleich rechts neben der Eingangstür. Die Deckenwände kunstreich mit Mond und Sternen bemalt. Wir luden alle gemeinsam das Holz ab und erleichterten uns die Arbeit mit dem Singen des italienischen Songs Volare. Jürgen rutschte zwischendurch ein schweres Stück Kaminholz aus den Händen, das leider schwungvoll an meinem Oberarm landete. Der Herr de Perez holte gleich mal eine Ampulle vom Tisch – so schnell konnte ich gar nichts sagen, wie er mir die Pipette auf meine Zunge legte und mich mit was auch immer betröpfeln mochte. Nach einer Sekunde war meine Grobmotorik wieder unter Kontrolle, waren die Füße sortiert.

Das Monstrum von Autoschiff war vor zwei Wochen in der Werkstatt, Bremsen. Was wir bei dieser Fahrt feststellten, der rechte Reifen stand irgendwie schräg und die Bremse blockierte beim Herunterfahren des wenig kleinen Hügels. So wagten wir die Rückfahrt mit dem Koloss nicht mehr und wollten eigentlich zu Fuß zurück, was uns Signor de Perez verwehrte, stattdessen sollten wir eine halbe Stunde auf seine Frau warten, die uns zurückfahren würde. Aus der halben Stunde wurden zwei Stunden hochinteressantes Gespräch, über Sommersonnenwende, über wahre Heiler und  weniger wahre Kenner, die lediglich Touristen abzocken, über das neue/alte Wissen, über das Handeln, das heilende Wirken, um eine andere Welt zu schaffen. Jürgen übersetzte brav von Deutsch ins Spanische, vom Spanischen ins Deutsche. Wie gut, dass die Autowerkstatt am Auto herumpfuschte und der Herr uns auf keinen Fall zu Fuß zurückgehen lassen mochte! Seine Frau, Kind und er fuhren uns dann zurück zur Rancho. In jedem Fall wollen wir uns wiedertreffen. Herzliche Einladung in ihr Haus.

Da der Kaffeeproduzent, der mit neuen Energieformen sein Produkt produziert und sehr bewusst auf viele Pesos verzichtet, viel Zeit und Erfindergeist und Geld in diesen ökologisch vertretbaren Weg steckt, dort der Italiener mit spiritueller Ader, der mir die Adresse jenes Shamanen und auch sonst noch Hinweise auf mögliches Interessantes reichte.

Interessant ist auch, dass die Einheimischen hier vor Ort mit dem besonderen Tag der Mayas 21.12. so gar nichts anfangen können. Es scheint, als seien wir in Europa mehr damit beschäftigt? Oder es liegt daran, dass die indianischen Stämme weiter weg leben, Richtung Yukatan. Ich beschäftige Jürgen noch immer damit, doch bitte herauszufinden, ob hier irgendwo in der Region eine Zeremonie stattfindet, fern des Massentourismus. Senior de Perez will in jedem Fall ein Feuer zünden!

Morgen fahren wir auf eine Ranch, zweieinhalb Stunden entfernt, um dem Sohn eines Vaters mitsamt seiner 4oo ha großen und geerbten Ranch kennenzulernen. Dort arbeitet eine Biologin, die ebenso einen fantastischen Kräutergarten angelegt haben soll. Der junge Rancher sei Vegetarier geworden, wolle er nicht nur darüber reden, das reiche nicht, sondern entsprechend handeln. Sein Bruder, der in der Stadt lebt, erklärte ihn deshalb für verrückt.

Ich freue mich schon jetzt auf die Begegnung.

 

 

 

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